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Ein Buchhalter, 800 Mandanten: Was der KI-Anbieter der Kanzlei zutraut — mit Christoph Prieler

Warum der CEO von Finmatics sein eigenes Unternehmen zum alten Eisen zählt, und was das für jede Kanzlei bedeutet, die heute von Buchhaltung lebt
8. September 2026 durch
Firestorm Digital GmbH, Sebastian Thalhammer
Future Tax PodcastGastfolge8. September 202697 MinutenDeutschNachlese ca. 22 Min

„Ich mach den Buchhalter zehnmal so schnell wie heute. Der macht dann nicht 80 Mandanten, sondern 800.“ Diesen Satz sagt kein Berater von außen. Er kommt von dem Mann, dessen Software genau das möglich machen soll.

Christoph Prieler ist CEO und Co-Founder von Finmatics, seit April 2025 Teil der norwegischen Visma-Gruppe. Davor hat er für einen US-Konzern Shared Service Center aufgebaut, zeitweise mit 2.000 Buchhaltern in Indien. Er ist damit der Anbieter des Rollen-Shifts: Er baut die KI, die genau jene Buchhaltung automatisiert, mit der Kanzleien jahrzehntelang ihr Geld verdient haben. Aufgenommen im Studio300 in der Tabakfabrik Linz.

Und im selben Gespräch sagt er einen zweiten Satz, der die ganze Folge trägt: „Wir als Finmatics gehören zum alten Eisen.“ Nach neun Jahren. Wer diese beiden Sätze nebeneinanderlegt, hat die Lage der Branche in zwei Zeilen.

Die ganze Folge

Kapitelmarken mit Deeplinks findest du weiter unten. Die wichtigsten Passagen gibt es zusätzlich zum Nachlesen — abschnittsweise aufklappbar.

Worum es geht
Das Wichtigste in 60 Sekunden
  • Die 800 sind ein Zielbild, keine Ist-Zahl. Prieler sagt selbst „zum Beispiel“. Er sagt aber auch: „Darauf muss es rauslaufen, und das relativ rasch.“
  • Der Anbieter zählt sich selbst zum alten Eisen — nach neun Jahren, „und das auch zu Recht“, weil Innovation nicht mit dieser Geschwindigkeit in mehrere tausend Bestandskunden kommt.
  • Finmatics hat die Transformation zuerst an sich selbst vollzogen: fast kein Code mehr ohne Agent, „fünf bis zehn Prozent manuell, maximal“. Daraus zieht Prieler die Analogie für die Buchhaltung.
  • Rund 100 von etwa 4.000 österreichischen Kanzleien beschäftigen sich aktiv mit dem Thema. „Die meisten beschäftigen sich nicht damit.“
  • Vintage-Buchhaltung bleibt ein valides Geschäftsmodell: Papierstoß, Kaffee, abtippen, zahlen. Wie Vinyl neben Spotify.
  • Bezahlt wird künftig das Ergebnis, nicht die Nutzung. Die Eintrittskarte dafür ist nicht der Automatisierungsgrad, sondern Vertrauen.
  • Der größte Fallstrick ist Tool-Hopping: 371 Tools im eigenen Haus, drei Monate davor. Heute gilt: „Wenn irgendwas zehn Prozent besser ist, pfeife ich auf die zehn Prozent.“
Die Lage in Zahlen
800Mandanten pro Buchhalter — das Zielbild, das der Anbieter ausspricht
5–10 %Code, der bei Finmatics noch manuell geschrieben wird. Maximal.
~100von rund 4.000 Kanzleien in Österreich beschäftigen sich aktiv damit
371Tools im eigenen Haus, vor drei Monaten. Ohne Prozess dahinter.
01 — Die Zahl

Was 800 Mandanten wirklich behaupten

Die Zahl fällt spät in der Folge, bei 1:02, und sie fällt ohne Pathos. Prieler kommt von seiner eigenen Entwicklungsabteilung her: Die Entwickler seien in 18 Monaten „zehnmal so schnell“ geworden. Dann überträgt er den Faktor auf den Buchhalter — und liefert die Zahl gleich mit Relativierung: „zum Beispiel“.

„Ich mach den Buchhalter zehnmal so schnell wie heute, und der macht jetzt nicht 80 Mandanten, sondern 800 Mandanten zum Beispiel. Darauf muss es rauslaufen, und das relativ rasch.“

Christoph Prieler

Beides gehört zusammen und wird in der Rezeption regelmäßig getrennt. Wer nur den ersten Halbsatz nimmt, hat eine Sensation. Wer nur „zum Beispiel“ nimmt, hat eine Floskel. Zusammengelesen steht dort etwas Unbequemeres: die Richtung ist nicht verhandelbar, die Zahl ist eine Größenordnung.

Woher der Faktor kommt10×

Nicht aus der Buchhaltung, sondern aus der Softwareentwicklung. Dort ist der Sprung bei Finmatics gemessen und durchlebt, nicht prognostiziert.

Was die Zahl nicht istIst-Stand

Kein Kunde betreut heute 800 Mandanten. Prieler behauptet das auch nicht. Er behauptet, dass die Kapazitätsgrenze der Vergangenheit keine mehr ist.

Warum das die Preisfrage aufmachtVolumen

Wenn dieselbe Kapazität ein Vielfaches an Fällen trägt, kippt der Preis pro Fall. Nicht weil jemand den Preis senkt, sondern weil das Volumen ihn senkt.

Was übrig bleibtDie Frage

„Wofür wird mich der Unternehmer 2030 überhaupt noch bezahlen als Steuerkanzlei?“ Die Frage im Gespräch stellt nicht der Anbieter, sondern der Host.

Genau deshalb ist diese Folge kein Produktgespräch. Sie ist ein Gespräch über die Lücke, die entsteht, wenn der Hauptumsatzbereich einer Kanzlei billiger wird, und darüber, wer sie füllt.

02 — Die Selbstdiagnose

Warum sich der Anbieter selbst zum alten Eisen zählt

Der bemerkenswerteste Satz der Folge ist kein Satz über Kanzleien. Es ist ein Satz über Finmatics.

„Ich hab jetzt gelernt, dass wir als Finmatics zum alten Eisen mittlerweile gehören. Ist interessant, weil wir sind selber erst zehn Jahre alt. Oder nicht einmal zehn Jahre alt.“

Christoph Prieler

Er lässt es nicht als Koketterie stehen, sondern begründet es — und die Begründung ist die eigentliche Lehre. Ein etablierter Anbieter kann Innovation nicht in der Geschwindigkeit ausrollen, in der sie entsteht, weil er zur Infrastruktur seiner Kunden gehört.

Der Grund

Bestand bremst

„Du kriegst diese Innovation mit dieser Geschwindigkeit nicht in deine mehreren tausenden Kunden rein.“ Bei drei Kunden geht das. Bei tausenden nicht.

Die Verantwortung

Stecker ziehen

„Teilweise gehören wir zur Infrastruktur einer Kanzlei dazu. Wenn du bei uns den Stecker ziehst, dann steht der eine oder andere und hat massive Probleme.“

Die Konsequenz

Vorne, aber nicht Erster

„Die Innovationsführerschaft darf ich nicht abgeben, aber ich kann nicht auf jede Änderung erratisch reagieren.“ Das ist eine Positionsbestimmung, keine Ausrede.

Die Ansage

Neu geschmiedet

„Das alte Eisen wird wieder ein schönes neues Eisen werden. Wir schmieden.“ Aus dem Nachteil wird ein Fahrplan, nicht ein Dementi.

Warum das für Kanzleien zählt. Dieselbe Mechanik gilt für jede Kanzlei mit Bestand. Wer 300 Klienten hat, kann nicht am Montag umbauen, weil am Wochenende etwas Besseres erschienen ist. Die Frage ist nicht, ob man schnell ist. Die Frage ist, ob man im laufenden Betrieb umbauen kann.

03 — Der Beweis am eigenen Haus

Kein Code mehr ohne Agent

Bevor Prieler über die Buchhaltung spricht, spricht er über die eigene Softwareentwicklung. Dort hat Finmatics den Umbau vollzogen, von dem in der Buchhaltung erst geredet wird.

„Es gibt auch ganz klar die Vorgabe, dass quasi fast kein Code mehr ohne einen Agent, also manuell geschrieben werden darf. Ich glaube, bei uns sind es noch fünf bis zehn Prozent, dass manuell geschrieben wird. Maximal.“

Christoph Prieler
Dauer12–18 Monate

„Schon zach von der organisatorischen Entwicklung her. Ergebnis super, weil es gelungen ist.“ Es war kein Rollout, es war eine Transformation.

Die RollenänderungTeamleader

Vom Code-Schreiben zum Anleiten: Gedankenanstoß geben, Ergebnisse kontrollieren, korrigierend eingreifen, Exception Handling, der Maschine Neues beibringen.

Der Effekt auf EntscheidungenUmsetzung

Früher: so wenig wie möglich umsetzen, und nur das Richtige, weil Umsetzung teuer war. Heute: „Schauen wir mal, was wir alles umsetzen“, weil Umsetzung fast nichts mehr kostet.

Die AlternativeNichts tun

„Wir hätten sagen können, machen wir nicht. Dann würde uns das, dass das Eisen neu geschmiedet wird, einfach nicht gelingen.“

Das ist der Grund, warum die 800 aus diesem Mund anders klingen als aus einem Beratermund. Der Faktor ist bei ihm keine Folie, sondern eine Erfahrung aus der eigenen Abteilung — übertragen auf eine andere Branche, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass die Übertragung nur teilweise trägt.

04 — Die Modellfrage

Software as a Service oder Service as a Software

Der Unterschied zwischen den beiden Modellen ist nicht der Funktionsumfang. Der Unterschied ist, wofür der Kunde bezahlt — und damit, wer das Risiko trägt, wenn das Ergebnis nicht stimmt.

Bisher

Software as a Service

Anbieter liefert Werkzeug
Mensch bedient es
Bezahlt wird die Nutzung
Lizenz je UserAutomatisierungsgrad als ArgumentRisiko beim Kunden

Der Anbieter kann 98,7 Prozent sagen. Der Kunde merkt den Unterschied zu 99,2 Prozent nicht — und trägt die Nacharbeit trotzdem selbst.

Zielbild

Service as a Software

Anbieter liefert Ergebnis
Mensch prüft und entscheidet
Bezahlt wird der Output
Preis je ErgebnisVertrauen als ArgumentRisiko beim Anbieter

„Wenn du ein Output anbieten kannst, musst du als Anbieter ziemlich sicher sein, dass das gut funktioniert, weil sonst hast du keinen Income Stream.“

Der Wechsel verschiebt nicht den Preis, sondern die Beweislast.

Prieler ist bei der Einordnung präzise: In der Buchhaltung sieht er das noch nicht. In anderen Feldern, etwa Customer Success, gibt es Anbieter, die bereits output-based abrechnen. Seine Prognose für die Buchhaltung: „relativ rasch“.

Die Übertragung auf die Kanzlei. Genau diese Bewegung steht auch der Kanzlei bevor, nur eine Ebene weiter vorne: weg von der abgerechneten Bearbeitung, hin zum bezahlten Ergebnis. Wer heute noch Stunden schreibt, verkauft Nutzung. Wer morgen Ergebnisse verkauft, braucht dafür eine Leistungsbeschreibung, keinen Zeitnachweis.

05 — Der Markt, der bleibt

Vintage-Buchhaltung

Prieler prägt im Gespräch einen Begriff, und er meint ihn nicht abschätzig. Er meint ihn als Geschäftsmodell.

„Ich glaube, dass es auch in Zukunft Kunden für eine Vintage-Buchhaltung geben kann, wo du einfach hingehst mit deinem Papierstoß, dann kriegst du einen Kaffee, dann wird es abgetippt und dann zahlst du halt auch dafür. Da wird es sicher auch einen Markt geben.“

Christoph Prieler

Die Analogie im Gespräch: Vinyl neben Spotify. Der Markt schrumpft nicht auf null, er wird zur Nische — und Nischen können auskömmlich sein, wenn sie bewusst gewählt und bepreist sind.

Wenn es eine Entscheidung ist

Positionierung
Vintage ist ein Versprechen: analoge Übergabe, persönliche Erfassung, kein Portal, kein Upload. Das ist beschreibbar und verkaufbar.
Preis
Wer den aufwendigen Weg anbietet, verrechnet den aufwendigen Weg. „Und dann zahlst du halt auch dafür“ ist der zentrale Halbsatz.
Kapazität
Eine kleine, bewusste Klientel mit hoher Zahlungsbereitschaft ist tragfähiger als eine große mit gedrücktem Preis.

Wenn es ein Versäumnis ist

Positionierung
Es gibt keine. Die Kanzlei macht es so, weil sie es immer so gemacht hat, und nennt es Kundennähe.
Preis
Der Aufwand wird nicht verrechnet, sondern getragen. Der Markt vergleicht mit automatisierten Anbietern und deren Preisen.
Kapazität
Die Klientel bleibt breit, die Marge fällt. Prielers Prognose für diese Gruppe: mittelfristig, „drei bis fünf Jahre“, ein massives Problem.

Der Unterschied zwischen beiden Spalten ist keine Frage der Technologie. Es ist die Frage, ob es eine Entscheidung war.

06 — Das Paradox

Warum Zeit gegen Geld die Effizientesten bestraft

Dieser Teil kommt vom Host, und er ist die härteste betriebswirtschaftliche Aussage der Folge.

„Paradoxerweise schneiden sich die, die in einer Vorreiterrolle in Effizienz und Automatisierung sind, so dermaßen ins eigene Fleisch, wenn sie Zeit gegen Geld abrechnen. Sie bezahlen zum einen dafür, dass sie schneller werden, und hinten verlieren sie es, weil sie weniger verrechnen können.“

Sebastian Thalhammer

Es ist derselbe Mechanismus, den Prieler von der anderen Seite beschreibt. Jede eingesparte Stunde ist eine Stunde, die nicht mehr geschrieben wird. Dieselbe Technologie macht das eine Preismodell stärker und das andere kaputt.

Der Beleg von 2012Leistungskatalog

Ein Mentor Prielers hatte Anfang der Zehnerjahre keine Stundenverrechnung, sondern Festpreise je Leistung. „Alle seine Konkurrenten haben gesagt, du spinnst.“

Der Einwand damals50 vs. 800

„Wie kann ich 50 Euro hinschreiben, wenn Kosten von 800 Euro entstehen können?“ Antwort: „Dann musst du beschreiben, was in den 50 Euro drin ist.“

Das ErgebnisKundenstock

Die Kunden haben es geliebt, und er hat den Mitbewerbern Klienten abgeworben. Die Konkurrenz hat nichts geändert.

Der Grund für den StillstandKein Zwang

„Wir profitieren alle von einem gesetzlich vorgeschriebenen Abo-Modell. Uns zwingt der Markt nicht, uns diese Fragen zu stellen.“ Ein zitierter Steuerberater über die eigene Branche.

Die Pointe an diesem Zitat: Der Kollege, der es gesagt hat, hat sich das Messer selbst angesetzt — und performt seither besser als große Teile der Vergleichsgruppe. Nicht wegen eines Tools, sondern wegen einer Frage, die er sich freiwillig gestellt hat.

07 — Die Eintrittskarte

Vertrauen schlägt Automatisierungsgrad

Auf die Frage, wozu die Lösungen bald in der Lage sein werden, antwortet Prieler technisch überraschend zurückhaltend und dafür sehr klar bei der Bedingung.

„Was sich extrem geändert hat, ist, dass die Modelle reflektieren können, ob das jetzt passt oder nicht passt — was früher sehr wenn-dann-mäßig war. Dieses Reasoning bringt dich auf eine neue Ebene der Qualität.“

Christoph Prieler

Und zwei Sätze später die Warnung, die dazugehört: davor, einfach mit einem allgemeinen Sprachmodell „loszubuchen“, würde er sich hüten. Beides gehört zusammengelesen — Fähigkeit und Rahmenbedingungen.

Was der Kunde nicht mehr bewertet

Prozentzahlen
„Ob du bei 98,7 oder 99,2 Prozent bist, kriegt der, der auf das Ergebnis schaut, nicht mehr mit.“ Automatisierungsgrad wird zur Commodity.
Features
Kurzlebig und vergleichbar. Wer darüber verkauft, verkauft etwas, das in drei Monaten anders heißt.

Was er stattdessen bewertet

Marke und Verlässlichkeit
Etablierte Marke, Sicherheitschecks, Skalierbarkeit, „hast du genug Geld am Konto“. Prieler nennt es ein Gesamtvertrauenspaket.
Zeit
Waymo fährt seit Jahren, kommuniziert offen, wenn etwas passiert — und der Anteil derer, die einsteigen, wächst. „Auf dieser Reise begeben wir uns auch gerade.“

Die Rolltreppe. Als die Rolltreppe eingeführt wurde, hat sich niemand darauf gestellt. Also hat man Leute engagiert, die den ganzen Tag mitgefahren sind, damit die anderen sehen: es passiert nichts. Heute denkt kein Mensch mehr darüber nach. Vertrauen entsteht durch Vorführung, nicht durch Datenblätter — und das gilt für die Kanzlei gegenüber ihren Klienten genauso wie für den Anbieter gegenüber der Kanzlei.

08 — Die Rolle

Vom Buchhalter zum Dirigenten

Wenn die Abarbeitung fällt, bleibt eine Rolle, für die es im Deutschen noch kein gutes Wort gibt. Prieler beschreibt sie über seine eigene Entwicklungsabteilung, der Host über die Datenströme.

„Da gibt es diese Orchestration Role. Du bist im Prinzip der Dirigent von Einheiten, die für dich gewisse Dinge erledigen. Wirklich ein Superbuchhalter oder Superbilanzierer, so wie wir heute Super Engineers haben.“

Christoph Prieler
Was bleibt

Urteil

Prüfen, ob das Ergebnis passen kann. Nicht nachrechnen, sondern beurteilen. Die Maschine liefert, der Mensch verantwortet.

Was bleibt

Ausnahme

Exception Handling: die Fälle, die nicht ins Muster passen, und das Beibringen neuer Regeln, wenn sie systematisch auftreten.

Was dazukommt

Kreativität

Nicht Bilder malen, sondern sich Dinge vorstellen, die noch nicht existieren: Was lässt sich aus den Daten machen, die man ohnehin hat?

Was dazukommt

Beziehung

„Die wollten immer schon mehr machen, aber sie haben keine Zeit gehabt, weil sie mit Basistätigkeiten zugemüllt waren.“ Die Zeit entsteht jetzt.

Wichtig ist die Reihenfolge, in der Prieler das aufbaut: Zuerst müssen Qualität und Vertrauen so weit sein, dass die Abarbeitung wirklich abgegeben werden kann. Erst dann entsteht vorne der Raum. Wer den Raum vorher verspricht, verkauft eine Hoffnung.

09 — Die Fallstricke

Die drei Fallstricke

Gefragt nach den Schlangengruben, in die Kanzleien gerade mit guter Absicht steigen, nennt Prieler zuerst sein eigenes Haus als Beispiel.

„Wir hatten vor drei Monaten gefühlt 371 Tools für alle möglichen Sachen. Weil irgendwer gesagt hat: Das hab ich gestern gesehen, das ist voll super, das brauche ich jetzt. Gratis Lizenz einmal.“

Christoph Prieler
Fallstrick 1: Tool-Hopping371

Heute gibt es einen rigorosen Prozess, wann Neues hereindarf. Die Regel: „Wenn irgendwas zehn oder fünfzehn Prozent besser ist, aber das andere bei uns schon ausgerollt ist, dann pfeife ich auf die zehn Prozent.“ Weil man sie ohnehin nicht bekommt — Umstellung, Neu-Training und Reibung fressen sie auf.

Fallstrick 2: Selbst programmierenSophistication

„Du kannst dir selber was programmieren, das ist okay. Aber als Zwei-Mann- oder Fünfzig-Mann-Show kannst du nie der Sophistication einer 20.000-Mann-Organisation entgegenhalten.“ Der Host wird deutlicher: Entscheidet euch, ob ihr Softwareunternehmer oder Kanzleiinhaber sein wollt.

Fallstrick 3: Der StrompreisModellkosten

Die Modelle sind der Strom, ohne den jede selbstgebaute Lösung obsolet ist. Steigt der Preis, steigt die Kostenbasis — und die Frage ist, ob man sie abfedern, den Anbieter wechseln oder nur weiterreichen kann.

Der Rahmen dahinterEuphorie

„Jetzt ist die Phase, wo alles nichts kostet.“ Danach wird verrechnet, was es kostet — und dann ist man tief in der eigenen Infrastruktur. Das Playbook ist nicht neu, es wird nur gerade wieder gespielt.

Die einfachste Gegenmaßnahme. Bevor das nächste Werkzeug dazukommt: nachsehen, was das vorhandene kann. „Werd lieber gut in dem einen, anstatt 34.000 Sachen kurz in der Hand gehabt zu haben.“ Und die zweite Frage, die den Bloat verhindert: Nur weil ich etwas machen kann, heißt das nicht, dass ich es machen muss.

Standortbestimmung

Und wo steht deine Kanzlei, wenn die Abarbeitung nicht mehr das Produkt ist?

Der Future Tax Index ordnet deine Kanzlei in wenigen Minuten ein — und zeigt dir, welche Stufe als nächste ansteht.

Was du mitnimmst

  • Was die Zahl 800 behauptet — und was sie ausdrücklich nicht behauptet
  • Warum ein Anbieter mit tausenden Bestandskunden nie der Erste sein kann
  • Wie eine Organisation den Umbau im laufenden Betrieb schafft, ohne die Kunden zu verlieren
  • Der Unterschied zwischen bezahlter Nutzung und bezahltem Ergebnis
  • Warum Vintage-Buchhaltung ein Geschäftsmodell ist, aber nur als Entscheidung
  • Weshalb Zeit gegen Geld ausgerechnet die Effizientesten bestraft
  • Was ein Leistungskatalog löst, den es 2012 schon gab
  • Warum Automatisierungsgrad als Verkaufsargument ausgedient hat
  • Wie Vertrauen entsteht: Waymo, die Rolltreppe und die Rolle der Zeit
  • Wie die Rolle des Buchhalters zur Orchestrierung wird
  • Die drei Fallstricke: Tool-Hopping, Selberprogrammieren, Modellkosten
  • Was ein Konzerndach wirklich verändert — und was nicht

Kapitelmarken der Folge

  • 00:00Cold Open: 800 statt 80 Mandanten
  • 01:00Intro: Christoph Prieler, CEO von Finmatics
  • 03:00Vom Konzernbuchhalter zu 2.000 Mitarbeitern in Indien
  • 11:00Wir gehören selbst zum alten Eisen
  • 15:00Nur 100 von 4.000 Kanzleien beschäftigen sich damit
  • 17:00Kein Code mehr ohne Agent – die eigene Transformation
  • 20:00Vintage-Buchhaltung als valides Geschäftsmodell
  • 23:00Wofür zahlt der Unternehmer 2030 noch?
  • 26:00Das gesetzlich vorgeschriebene Abo-Modell
  • 31:00Zeit gegen Geld ist am Ende
  • 33:00Von Software as a Service zu Service as a Software
  • 42:00Verbrenner raus: Umbau bei 1.500 Kanzleien im laufenden Betrieb
  • 51:00Waymo, Rolltreppe und die Frage des Vertrauens
  • 1:02:00Zehnmal so schnell: 800 Mandanten pro Buchhalter
  • 1:06:00Ein Jahr unter dem Dach von Visma
  • 1:15:00Wachstum oder Ruhe – und das gefährlichste dritte Lager
  • 1:23:00371 Tools: der Fallstrick im eigenen Haus
  • 1:28:00KI-Modelle als Strom – was passiert, wenn der Preis steigt
  • 1:35:00Ausblick: Future Tax Think Tank im Oktober

Das Gespräch zum Nachlesen

Redigierte Fassung der tragenden Passagen, abschnittsweise aufklappbar. Füllwörter entfernt, Dialekt geglättet, Reihenfolge des Gesprächs beibehalten. Zahlen und Eigennamen gegen die Aufnahme geprüft.

01 · Der Antrieb: 2.000 Buchhalter in Indien

Sebastian Thalhammer: Was ist dein Antrieb, sich dieses schwere Brett vorzunehmen — die Buchhaltung zu automatisieren? Du machst das jetzt seit über einem Jahrzehnt.

Christoph Prieler: Was ich heute mache, ist ganz klar eine Funktion aus dem, mit dem ich mein Berufsleben begonnen habe. Ich bin nach der Uni zu einem amerikanischen Konzern gegangen, habe dort in der Buchhaltung gearbeitet, Konsolidierung. Dann habe ich für einen US-Konzern Shared Service Center aufgebaut — Buchhaltungen, die zentral in Osteuropa oder Indien für die ganze Welt verarbeitet wurden. Irgendwann hatte ich 2.000 Inder, die für mich gearbeitet haben: Rechnungen eintippen, Mahnungen verfassen, General-Ledger-Buchungen.

Das war in den Nullerjahren, technologisch war da wenig da. Du hast eine Datei von USA nach Indien transferieren können, das war schon okay. Es war sehr prozessual, sehr viel Organisation. 2.000 Leute zu führen ist eine interessante Herausforderung, HR-seitig und motivationsseitig. Und Anfang der Zehnerjahre ist mir dann das Thema KI aufgetaucht. Wenn du 2.000 Leute repetitive Tätigkeiten ausführen siehst, denkst du irgendwann: Wieso geht das eigentlich nicht anders? Diese Frage hat mich über das ganze Berufsleben beschäftigt. 28 Jahre.

02 · Der Kulturschock

Christoph Prieler: Als ich dann in die mittelständische Struktur im deutschsprachigen Raum eingestiegen bin, mit KMU und Steuerberaterbranche, fast 15 Jahre später, habe ich als Erstes einen Kulturschock gehabt. Da sind wir noch komplett mit Hammer, Meißel und Steinplatten unterwegs, habe ich mir gedacht. Weil es im Konzern schon ganz woanders war.

Das Erste, was wir mit Steuerberatern begonnen haben, war Labor Arbitrage und Prozessmanagement, noch nicht Technologie. Die eigene Technologie ist erst Mitte der Zehnerjahre dazugekommen. Heute muss man nur in die Nordics schauen, oder zu Konzernen, oder in andere Branchen — was tut sich gerade in Softwareentwicklungsabteilungen, und was in Buchhaltungsabteilungen? Dann hat man ein relativ vernünftiges Bild, wohin sich das entwickelt.

Sebastian Thalhammer: Das ist ähnlich, wie ich es wahrnehme. Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen. Ich schaue mir Länder, Märkte, Branchen an, die ähnlich sind, aber weiter vorne. Dann lässt sich ableiten, was wahrscheinlich passiert. Kein großes Hexenwerk.

03 · „Wir gehören zum alten Eisen“

Christoph Prieler: Ich hab jetzt gelernt, dass wir als Finmatics zum alten Eisen mittlerweile gehören. In den letzten sechs bis sieben Monaten habe ich das gelernt. Ist interessant, weil wir sind selber erst zehn Jahre alt — oder nicht einmal zehn. Und dass du nach neun Jahren zum alten Eisen gehörst, und das auch zu Recht so bezeichnet wirst, weil du diese Innovation mit dieser Geschwindigkeit nicht in deine mehreren tausenden Kunden reinkriegst.

Wenn du drei Kunden hast, geht das. Bei uns nicht: Du hast Sicherheitsaspekte, Skalierungsaspekte. Teilweise gehören wir zur Infrastruktur einer Kanzlei dazu. Wenn du bei uns den Stecker ziehst, dann steht der eine oder andere und hat massive Probleme. Das heißt, du musst extrem aufpassen. Die Innovationsführerschaft darf ich nicht abgeben, da muss ich vorne dabei bleiben — aber ich kann nicht auf jede Änderung erratisch reagieren. Und werde damit halt zum alten Eisen abgestempelt. Das alte Eisen wird im Laufe des Herbstes wieder ein schönes neues Eisen werden. Wir schmieden.

04 · 100 von 4.000

Christoph Prieler: Ich muss dazu sagen: Wir zwei sind in einer absoluten Bubble. Ich weiß nicht, wie viele Kanzleien es außer denen, die bei dir unterwegs sind, sonst noch gibt, die über das Thema so nachdenken. Legen wir den Faktor zwei drauf. Dann haben wir in Österreich vielleicht 100 Kanzleien, die sich aktiv damit beschäftigen — von zwei, drei, 4.000. Das heißt, die meisten beschäftigen sich nicht damit.

Ist das richtig? Ist das falsch? Das muss jeder für sich wissen. Ich glaube auch nicht, dass der Zug aufgrund der Trägheit dieser Branche extrem rasch an ein anderes Ziel kommt. Ich glaube aber schon, dass die, die sich gar nicht damit beschäftigen, mittelfristig — sprich drei bis fünf Jahre — ein massives Problem kriegen werden.

05 · Kein Code mehr ohne Agent

Christoph Prieler: Wo ich mich immer selbst bei der Nase nehme: Es ist ja nicht so, dass ich rausgehe und sage, geiles Produkt, nehmt es alle. Wir sind intern genauso gefordert, uns zu verändern. Wir haben keine Buchhaltungsoperation, wir müssen softwareseitig etwas abarbeiten. Und da ist alles noch viel ärger unterwegs als in der Buchhaltungsbranche: dass überhaupt nur mehr die Agents am Werken sind. Es gibt ganz klar die Vorgabe, dass fast kein Code mehr manuell geschrieben werden darf. Bei uns sind es noch fünf bis zehn Prozent. Maximal.

Und das ist für mich eine großartige Analogie, wo ich glaube, dass sich die Buchhaltungsbranche hinentwickeln wird. Vor zwei Jahren wurde wahnsinnig viel manuell geschrieben, heute bei sehr vielen Firmen nichts mehr. Das ist eine Transformation, die wir in den letzten zwölf bis 18 Monaten durchgegangen sind. Wir hätten sagen können, machen wir nicht — dann würde uns das mit dem neu geschmiedeten Eisen nicht gelingen. Wenn du heute neu beginnst, fängst du mit Agents an, aus. Wenn du eine Organisation hast, die seit Jahren besteht, musst du sie transformieren. Schon zach von der organisatorischen Entwicklung her. Ergebnis super, weil es gelungen ist.

06 · Vintage-Buchhaltung

Christoph Prieler: Bei denen, die noch nicht angefangen haben, wird der Abstand zu denen, die vorne dabei sind, immer größer, und die werden mittel- bis langfristig verloren haben. Wobei ich versuche gerade, einen neuen Begriff zu prägen: Vintage-Buchhaltung. Ich glaube, dass es auch in Zukunft Kunden dafür geben kann. Du gehst hin mit deinem Papierstoß, dann kriegst du einen Kaffee — vielleicht kriegst du ihn aber auch in der Nicht-Vintage-Buchhaltung — und dann wird es abgetippt, und dann zahlst du halt auch dafür. Da wird es sicher einen Markt geben.

Sebastian Thalhammer: So wie heute noch Vinyl-Schallplatten verkauft werden, obwohl man alles streamen kann. Manche sagen: nur wenn ich es angreifen kann, ist es echt. Und manche Kanzleien werden sich daraus neu definieren.

Christoph Prieler: Es wird sicher ein valides Geschäftsmodell sein.

07 · Die Fitnessstudio-Frage

Sebastian Thalhammer: Das typisch Menschliche, und ich kenne es von mir selber: dieses Verlangen, ich brauche jetzt das beste, schnellste, tollste Tool, denn wenn ich das habe, dann läuft es. Das Jahr geht zu Ende, man ist top motiviert: Ab jetzt mache ich alles anders, ich werde fit. Was macht man? Man löst eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Und dann hat man es. Das Tool allein ist nicht sehr hilfreich, wenn ich nicht hingehe. Selbst wenn ich hingehe, muss ich regelmäßig die Gewichte heben.

Es geht um etwas anderes: dass ich mich selbst transformiere und meine Rolle hinterfrage. Wo stehe ich, wo möchte ich hin? Dann kann ich überlegen, was mich entlang des Weges unterstützt. Ich sehe viele Kanzleien, die komplett toolfanatisch sind und immer nur fragen: Was gibt es grad? Dann rennen sie von einem Standl zum nächsten. Am Montag der eine, am Dienstag der nächste. Aber es löst das eigentliche Problem nicht. Und das Problem ist die Frage: Wohin entwickle ich mich als Kanzlei, welche Rolle möchte ich für meine Klienten spielen? Oder pointierter: Wofür wird mich der Unternehmer 2030 überhaupt noch bezahlen als Steuerkanzlei, wenn der Bereich, in dem der Hauptumsatz gemacht wird, durch KI vom Preis her in eine ganz andere Richtung getrieben wird?

08 · Das gesetzlich vorgeschriebene Abo-Modell

Christoph Prieler: Es ist verantwortungsvoll und redlich als Kaufmann, sich Gedanken zu machen, wo ich in fünf Jahren sein will. Jedes Unternehmen muss das definieren: Für was stehe ich, für was werde ich gekauft? Für viele dieser Dinge muss man heute die Weichen stellen. Es sollte für jedes Unternehmen, ob groß, klein, dick, dünn, eine der Aufgaben sein, sich mindestens einmal im Jahr hinzusetzen.

Sebastian Thalhammer: Da möchte ich einen Steuerberater zitieren, der es sehr nonchalant gesagt hat: „Sebastian, wir profitieren alle von einem gesetzlich vorgeschriebenen Abo-Modell. Wir haben kein Kundenproblem und damit auch kein wirkliches Existenzproblem. Uns zwingt der Markt nicht, uns diese Fragen zu stellen.“ Und das ist genau das Problem. Deswegen machen es die meisten nicht. Er hat gesagt: Wenn du nicht beantworten kannst, warum der Kunde bei dir kauft, wenn es keine gesetzliche Notwendigkeit gäbe, dann hast du ein Problem als Unternehmer. Das hat damals im Circle unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Ich habe mir seine Kanzlei angeschaut, die Ergebnisse — er hat viele outperformt.

09 · Der Leistungskatalog von 2012

Christoph Prieler: Einer meiner Mentoren in der Steuerberaterbranche hat schon 2011, 2012 sehr stark auf Effizienz gesetzt. Der war Ende fünfzig und hat Anfang der Zehnerjahre Vollgas im Bereich Digitalisierung gearbeitet. Der hat über Preismodelle und Geschäftsmodelle nachgedacht und keine Verrechnung auf Stundenbasis gehabt. Alle seine Konkurrenten im Umkreis haben gesagt: Du spinnst. Auf der anderen Seite hat er ihnen den Kundenstock abgeworben.

Er hatte einen Leistungskatalog: Für UVA zahlst du X, für Beratung Y. Die anderen haben gesagt: Wie kann ich 50 Euro hinschreiben, wenn dann Kosten von 800 Euro entstehen können? Und er hat gesagt: Dann musst du beschreiben, was in den 50 Euro drin ist. Dass da keine Leistungen für 800 Euro drinnen sind, sondern nur für 50. Die Kunden haben das geliebt. Die anderen waren zu feige zu sagen: Ich kann etwas ändern.

Sebastian Thalhammer: Und das ist es, was sich geändert hat. Der Druck steigt spürbar — die gestiegene Erwartungshaltung des Unternehmers, und das Paradox der Automatisierung. Das Zeit-gegen-Geld-Modell ist absolut am Ende. Paradoxerweise schneiden sich die, die in der Vorreiterrolle bei Effizienz und Automatisierung sind, ins eigene Fleisch: Sie bezahlen dafür, dass sie schneller werden, und hinten verlieren sie es, weil sie weniger verrechnen können. Da brauche ich nicht einmal redlicher Geschäftsmann sein, da brauche ich nur Hausverstand.

10 · Service as a Software

Sebastian Thalhammer: Wo man früher von Software as a Service sprach, gibt es die These, dass sich SaaS-Anbieter mehr als Service-as-a-Software-Anbieter verstehen — und damit in einem ganz anderen Wirkungsfeld agieren.

Christoph Prieler: Da passiert gerade sehr viel, das sind tektonische Schichten, die sich bewegen. Ob die Leute das in dem Ausmaß mitkriegen, weiß ich nicht — eher nicht. Ganz spannend wird es, wenn das, mit dem du zusammenarbeitest, als Software, als Tool, als Agent, einfach Ergebnisse liefert und du nicht mehr für die Nutzung zahlst, sondern für die Ergebnisse. Ab diesem Zeitpunkt geht die Post ab. In manchen Bereichen passiert es schon, im Customer Success zum Beispiel gibt es Anbieter, die output based abrechnen. In der Buchhaltung sehen wir das fairerweise noch nicht. Aber das wird relativ rasch kommen.

Was heißt das? Wenn du ein Output anbieten kannst, musst du als Anbieter ziemlich sicher sein, dass das gut funktioniert, weil du sonst keinen Income Stream hast. Was den Automatisierungsgrad betrifft: Der Kunde kriegt gar nicht mehr mit, ob du bei 98,7 oder 99,2 Prozent bist. Das Thema ist Vertrauen. Wenn ich dem Ganzen nicht vertraue, ist mir der Output egal, weil ich mir alles wieder anschauen muss. Bist du eine etablierte Marke? Können die Kunden dir vertrauen? Hast du Security unter Kontrolle? Bist du skalierbar, oder fällst du alle drei Tage aus? Hast du genug Geld am Konto? Das ist ein Gesamtvertrauenspaket.

11 · Verbrenner raus, im laufenden Betrieb

Christoph Prieler: Wir mussten uns in den letzten eineinhalb Jahren wirklich neu erfinden. Nicht nur, wie wir arbeiten, entwickeln, Customer Success und Support machen — das hat sich alles fundamental geändert. Das zweite Thema beschäftigt uns noch mehr: Du hast ein Produkt, das verwenden 1.500 Kanzleien und ein paar tausend KMU. Und jetzt ist da was Neues. Was tun wir damit?

Jetzt hast du einen Verbrennermotor drinnen. Und du weißt genau: Alle deine Autos brauchen langfristig einen E-Motor — kosteneffizienter, weniger Energie, schneller, zuverlässiger. Also stellst du dir die Frage: Baust du den Motor aus und wieder ein? Wenn ich einen Elektromotor habe, heißt das eigentlich, dass ich die Karosserie anders bauen muss. Und wir sind draufgekommen: Eigentlich brauchen wir ein neues Auto.

Und dann: Wie gebe ich 1.500 Kunden von heute auf morgen ein neues Auto? Ohne dass die sagen: Mein altes Auto gefällt mir eigentlich eh. Oder: Moment, da muss ich wieder neu fahren lernen. Unsere Bubble schreit hurra, aber unsere Kunden bestehen nicht nur aus unserer Bubble. Was wir jetzt tun, ist: Wir bauen sukzessive die Teile aus dem alten Auto aus und neue ein, bis zum Schluss ein neues Auto dasteht, ohne dass es wirklich wer arg mitkriegt.

Dazu kommt: Du hast bei uns historisch sehr viele Customization-Geschichten machen können. Wenn die Rechnungsnummer 20 Stellen lang ist und du die ersten vier nicht haben willst, dann hast du das können. Das will man den Kunden nicht wegnehmen. Das muss im neuen Auto genauso funktionieren wie im alten. Darum dauert das länger. Wir fangen nicht neu an und sagen: Da ist das neue Auto, wer will es? Wir haben eine Riesenflotte auf der Straße, die wir sukzessive austauschen müssen.

Sebastian Thalhammer: Und nicht in der Flotte am Parkplatz, sondern im laufenden Betrieb.

Christoph Prieler: Absolut. Wir fahren ja Millionen von Kilometern pro Tag.

12 · Waymo, die Rolltreppe und das Vertrauen

Christoph Prieler: Meine beste Analogie: Waymo. Du kannst dir seit zwei, drei Jahren in San Francisco ein Taxi rufen, dich reinsetzen, und da ist kein Fahrer drin. Manchmal mache ich Umfragen in meinem Freundeskreis: Wer setzt sich rein? Ich wäre sofort dabei gewesen, ich bin Teil der Bubble. Aber dadurch, dass die jetzt zwei, drei Jahre etabliert sind, nicht viel passiert ist und sie gut kommunizieren, wann was passiert, stärkt sich das Vertrauen. Der Prozentsatz von denen, die sagen „mittlerweile vielleicht schon“, wird immer größer. Auf dieser Reise begeben wir uns auch gerade — nur nicht mit dem selbstfahrenden Auto, sondern mit dem Buchhalter. Das Thema ist Vertrauen.

Sebastian Thalhammer: Als man die Rolltreppe eingeführt hat, hat sich auch keiner draufgestellt. Dann hat man Leute engagiert, die den ganzen Tag gefahren sind. Wenn der das macht, könnte es für mich auch funktionieren. Heute überlegt kein Mensch mehr.

13 · Reasoning — und die Warnung dazu

Christoph Prieler: Der Anspruch von uns und von allen anderen: Die Maschine kann buchen wie ein Buchhalter. Konnte sie bis dato eingeschränkt. Was sich in den letzten Monaten extrem geändert hat: Die Modelle können reflektieren, ob etwas passt oder nicht passt, und ob es passen kann — was früher sehr wenn-dann-mäßig war. Entweder ist es im Gatsch gelandet oder nicht. Heute kann es reflektieren und sagen: Kann das sein, dass das dahin gehört? Dieses Reasoning bringt dich auf eine neue Ebene der Qualität, die dem Menschen überlegen ist — wenn du die richtigen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellst.

Ich würde mich davor hüten, jetzt einfach mit einem allgemeinen Sprachmodell zu sagen: So, los geht es, wir buchen.

Sebastian Thalhammer: Die Reasoning-Fähigkeiten überraschen und erschrecken mich teilweise, wenn mich meine KI-Mitarbeiterin selbst auf einen Denkfehler in meiner Herangehensweise hinweist — und ihn gleich behoben hat. Das arbeitet in einer fast schon eigenverantwortlichen Selbstständigkeit.

14 · Vom Buchhalter zum Dirigenten

Christoph Prieler: Ich habe immer die Analogie meiner Entwicklungsabteilung vor Augen. Die haben sich in den letzten 18 Monaten brutal transformiert: von Code schreiben zu Teamleader, wo Agents für dich gewisse Dinge machen. Du gibst den Gedankenanstoß, kontrollierst die Ergebnisse, greifst korrigierend ein, machst Exception Handling, bringst der Maschine neue Dinge bei. Es gibt diese Orchestration Role — du bist der Dirigent von Einheiten, die für dich Dinge erledigen. Wirklich ein Superbuchhalter oder Superbilanzierer, so wie wir heute Super Engineers haben. Die sind zehnmal so schnell geworden wie vor 18 Monaten. Ich bin mit der Geschwindigkeit, wie die heute Dinge umsetzen, einfach nur: Wow.

Früher hieß es in der Entwicklung: so wenig wie möglich umsetzen, und das müssen unbedingt die ganz richtigen sein, weil du eine Lawine an Geld ausgibst. Heute: Schauen wir mal, was wir alles umsetzen. Wenn die Hälfte nicht passt, ist es auch wurscht, weil die Umsetzung eh nichts mehr kostet. Und in so einem Bereich: Ich mach den Buchhalter zehnmal so schnell wie heute, und der macht nicht 80 Mandanten, sondern 800 zum Beispiel. Darauf muss es rauslaufen, und das relativ rasch.

Sebastian Thalhammer: Ich habe die Buchhalter immer schon als die Orchestrierer der Datenströme verstanden. Wenn du begreifst, dass das deine Rolle ist — nicht Belege abtippen, sondern diese Datenströme so zu orchestrieren, dass sie fließen —, dann stellst du die besseren Fragen und kannst ein Vielfaches machen, ohne überrollt zu werden. Plus: Es braucht einen Menschen, der das große Ganze im Blick hat.

Christoph Prieler: Wir sind technologisch wirklich an einem Punkt angelangt, wo diese Operations mit hohem Vertrauen und sehr hoher Qualität abgearbeitet werden können. Qualität und Vertrauen, das ist das Wichtigste. Sodass vorne raus der Mitarbeiter, der in der Vergangenheit zugemüllt war, Zeit hat für höherwertige Tätigkeiten.

15 · Ein Jahr unter dem Dach von Visma

Christoph Prieler: Wir sind jetzt seit etwas mehr als einem Jahr Teil von Visma. Die Entscheidung war goldrichtig. Das musst du als 30-, 40-, 50-Mann-Unternehmen einmal stemmen und verdauen können — Technologie, Arbeitsweisen, die Welt verändert sich total, und du solltest als kleines Unternehmen dem strategisch standhalten. Du hast keine Chance. Keine Chance.

Wir sind rund 150 bis 200 Schwesterunternehmen global, in unterschiedlichen Geografien, alle im Umfeld HR, Lohnverrechnung, Buchhaltung, Bilanzierung, Steuerberatung. Sobald du eine Frage hast, kannst du fragen und kriegst fünf Antworten. Oder du hast noch gar keine Frage und kriegst mit, was bald auf dich zukommt. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass der Mut zu dieser Transformation auch daraus gerührt hat: dass wir bestärkt wurden und dass es geheißen hat, ihr seid da nicht alleine.

Was ich nach wie vor überrascht bin: Sie haben uns beim Kauf lauter schöne Dinge versprochen, und ich habe gesagt, wenn die Hälfte stimmt, wird es super. Es hat alles gestimmt. Dieses Umfeld — Datenschutz, Security, Rechtsabteilung, Übungen zu Data Breaches — kannst du dir als 20-Mann-Bude oder 500-Mann-Bude nie leisten. Wir sind klein, aber wir haben Superkräfte bekommen.

16 · Wachstum, Ruhe und das dritte Lager

Christoph Prieler: Zuerst möchte ich sagen: Viele Kanzleien sind auch am richtigen Weg. Um die habe ich keine Angst. Wirklich nicht. Um keine einzige von denen. Die beschäftigen sich mit ihrer Zukunft. Ob da die eine oder andere falsche Entscheidung getroffen wird — so be it, dann korrigierst du sie irgendwann. Aber das sind vielleicht fünf, zehn Prozent. Die Frage ist, was mit den anderen passiert.

Ich bin wachstumsgetrieben vom Naturell her. Ich würde mir die Frage stellen: Wie kann ich jetzt viel mehr wachsen als bisher? Ich spreche mit vielen Kanzleien, und da gibt es zwei Schulen. Die einen denken wie ich: Ich bin gut aufgestellt, die Frage ist, wie werde ich die größte Kanzlei in Oberösterreich — gemessen an Umsatz, meistens. Und es gibt andere, die sagen: Ich habe so viel erreicht, und was ich mir gekauft habe, ist mehr Ruhe. Ich muss nicht mehr so hart arbeiten. Das ist auch legitim. Das Wichtige ist, sich die Frage zu stellen: Was will ich?

Sebastian Thalhammer: Es gibt ein drittes Lager: Ich will, dass es so weitergeht wie bisher. Das gefährlichste Lager von allen. Das ist Wunschdenken — du gehst davon aus, dass du Einfluss darauf hast, dass es weitergeht wie bisher. Und das ist einfach falsch.

Christoph Prieler: Wobei ich habe Lagerwechsel auch schon mitgekriegt. Ganz verloren ist der eine oder andere nicht.

17 · 371 Tools und der rigorose Prozess

Christoph Prieler: Das betrifft nicht nur Kanzleien, sondern alle Unternehmen, die mit dem Thema arbeiten. Ich nehme unser Unternehmen als Beispiel: Können wir gut damit umgehen? Wir werden besser. Aber wir hatten vor drei Monaten gefühlt 371 Tools für alle möglichen Sachen. Weil irgendwer gesagt hat: Das habe ich gestern gesehen, das ist voll super, das brauche ich jetzt, Gratis-Lizenz. Und dann ist die Gratis-Lizenz vorbei und es kostet etwas. Damit kannst du nicht arbeiten. Das ist die größte Gefahr.

Die ständige Beschäftigung, heute das und morgen jenes, weil der eine wieder einen Systemfortschritt gemacht hat — das ist für Nicht-Profis, und dazu gehöre ich mittlerweile auch nicht mehr, wirklich tödlich. Ich habe mir das Neueste ganz bewusst nicht angeschaut. Ich lasse das eine oder andere Spielzeug aus. Es gibt bei uns einen rigorosen Prozess: Wann darf was Neues rein? Ohne das geht es einfach nicht mehr. Und wenn irgendwas zehn oder fünfzehn Prozent besser ist, aber das andere bei uns schon in der gesamten Organisation ausgerollt ist, dann pfeife ich auf die zehn Prozent.

Sebastian Thalhammer: Weil du sie ja nicht kriegst, die zehn Prozent. Du hast sie kurzfristig vor deinen Augen. Ich bin selber ein Tool-Fanatiker, ich habe sie durch — CRM-Systeme, Projektmanagement-Systeme, was auch immer. Die simple Erkenntnis: Schau dir an, wie es in deine Gesamtstruktur passt. Und sehr häufig: Was kann das, was du eh schon hast? Werd lieber gut in dem einen, anstatt 34.000 Sachen kurz in der Hand gehabt zu haben.

18 · Selbst programmieren und die Modelle als Strom

Sebastian Thalhammer: Bei den Kanzleien passiert gerade volle Kanne, dass jeder herumrennt und sagt: Jetzt programmieren wir was selber, weil wir können es. Viel Spaß in den nächsten Wochen und Monaten, speziell wenn die Kostenfalle zuschlägt.

Christoph Prieler: Das ist meiner Meinung nach extrem gefährlich. Du kannst dir selber was programmieren, das ist okay. Aber wenn du selber programmierst, als Zwei-Mann- oder Fünfzig-Mann-Show, kannst du nie der Sophistication einer 20.000-Mann-Organisation entgegenhalten. Das ist unmöglich. Und die Modelle sind der Strom dafür, dass diese ganzen Geräte laufen. Ohne die Modelle ist jedes Stück Software, das du daheim programmierst, obsolet. Eine der Themenstellungen wird sein: Kann ich mir diesen Strom günstig einkaufen? Kann ich den Anbieter wechseln? Habe ich diese Möglichkeiten inkludiert? Sonst reiche ich die Preissteigerung entweder weiter oder gehe pleite. Damit beschäftigen wir uns sehr stark — was ist das Risikoprofil, wie ist das mitigiert. Da lernen wir auch sehr viel.

Sebastian Thalhammer: Jetzt ist die Phase, wo alles nichts kostet. Euphorie. Man wird angefixt, bis man sich gut in der eigenen Organisation ausgebreitet hat. Und dann sagt der Anbieter: Jetzt verrechne ich dir, was es eigentlich kostet, und wir sind so drin in deiner Infrastruktur, dass du nicht einfach raus kannst. Das Playbook gibt es, und es wird immer wieder so gespielt. Und noch etwas: Beim Commodore 64 war der Rahmen klein, in dem musstest du zaubern — und in der Begrenzung ist die Kreativität rausgekommen. Jetzt gibt es einen grenzenlosen Rahmen, und es wird so viel Bloat produziert, einfach weil man es kann. Nur weil ich etwas machen kann, heißt nicht, dass ich es machen muss.

19 · Ausblick: die Geschäftsmodelle danach

Christoph Prieler: Ich glaube, dass Software und Dienstleistung viel mehr zusammenwachsen werden, sodass sich daraus Geschäftsmodelle ergeben, über die der eine oder andere heute schon nachdenkt, über die man aber vielleicht heute noch gar nichts weiß. Dienstleistung, Software, vielleicht auch Hardware wird enger verzahnt — weil den Kunden das Output interessiert. Was du verwendest, um das zusammenzustellen, ist komplett egal. Und ob du das mit siebzig Leuten machst oder mit einem Agent, ist mir als Kunde wurscht. Hauptsache, mir taugt, was du machst.

Sebastian Thalhammer: Du bist heuer auch als externer Contributor beim Future Tax Think Tank im Oktober dabei, das übergeordnete Thema ist Synthetic Trust: Wie sehen die Geschäftsmodelle der Zukunft in der Kanzlei aus? Worauf freust du dich am meisten?

Christoph Prieler: Ich bin nicht das erste Mal dabei. Und jedes Mal bin ich bereichert und inspiriert wieder nach Hause gegangen. Das sind wirklich coole Leute, die sehr qualifiziert über die Branche, Technologie und die tägliche Arbeit nachdenken und mittendrin sind im Leben. Und da entstehen auch Freundschaften. Die Themen sind immer herausfordernd, weil sonst eh keiner kommt. Da werden ganz tolle Dinge entstehen.

Häufige Fragen

Betreut heute schon irgendein Buchhalter 800 Mandanten?

Nein. Prieler nennt die Zahl ausdrücklich als Beispiel und Zielbild, abgeleitet aus dem Produktivitätssprung in seiner eigenen Softwareentwicklung. Was er behauptet, ist nicht die Zahl, sondern die Richtung: „Darauf muss es rauslaufen, und das relativ rasch.“

Warum sagt der CEO eines KI-Anbieters, sein Unternehmen gehöre zum alten Eisen?

Weil ein Anbieter mit mehreren tausend Kunden Innovation nicht in der Geschwindigkeit ausrollen kann, in der sie entsteht. Finmatics ist Teil der Infrastruktur vieler Kanzleien; erratische Änderungen wären dort ein Risiko. Prielers Konsequenz ist nicht Resignation, sondern ein Umbau im laufenden Betrieb.

Was bedeutet Service as a Software konkret?

Bezahlt wird nicht die Nutzung eines Werkzeugs, sondern das gelieferte Ergebnis. Damit wandert das Risiko zum Anbieter: Wer Output verkauft, hat ohne funktionierenden Output keinen Umsatz. In der Buchhaltung sieht Prieler das noch nicht, in anderen Feldern wie Customer Success schon — und für die Buchhaltung erwartet er es „relativ rasch“.

Ist Automatisierungsgrad kein Verkaufsargument mehr?

Für den Kunden kaum. „Ob du bei 98,7 oder 99,2 Prozent bist, kriegt der, der auf das Ergebnis schaut, nicht mehr mit.“ Entscheidend wird ein Gesamtvertrauenspaket: etablierte Marke, Sicherheit, Skalierbarkeit, wirtschaftliche Stabilität.

Was ist Vintage-Buchhaltung?

Ein von Prieler geprägter Begriff für die bewusst analoge Variante: Papierstoß, persönliche Übergabe, manuelle Erfassung — und ein Preis dafür. Er hält das für ein valides Geschäftsmodell, vergleichbar mit Vinyl neben Streaming. Tragfähig ist es allerdings nur, wenn es eine Entscheidung ist und nicht ein Versäumnis.

Warum bestraft Zeit gegen Geld die effizientesten Kanzleien?

Weil sie zweimal zahlen: einmal für die Technologie und Organisation, die sie schneller macht, und einmal am Ende, wenn weniger Stunden verrechenbar sind. Dieselbe Automatisierung, die ein ergebnisbasiertes Preismodell stärkt, entwertet ein zeitbasiertes.

Sollten Kanzleien selbst programmieren?

Prieler hält es für möglich, aber gefährlich: Eine Zwei- oder Fünfzig-Mann-Organisation kann der Sophistication eines Großanbieters nicht entgegenhalten, und die Modelle im Hintergrund sind ein Kostenrisiko, das man weder verhandeln noch einfach wechseln kann. Die Empfehlung im Gespräch: entscheiden, ob man Softwareunternehmer oder Kanzleiinhaber sein will.

Was ist der häufigste Fehler beim Einsatz von KI in der Kanzlei?

Tool-Hopping. Finmatics hatte selbst gefühlt 371 Tools im Haus und hat einen rigorosen Freigabeprozess eingeführt. Die Regel: Zehn oder fünfzehn Prozent Vorteil rechtfertigen keinen Wechsel, wenn das Bestehende schon ausgerollt ist — die Umstellungskosten fressen den Vorteil auf.

Was hat sich durch die Übernahme durch Visma geändert?

Nach Prielers Darstellung vor allem Zugang und Rückhalt: Austausch mit 150 bis 200 Schwesterunternehmen, Stabsstellen für Datenschutz und Security, Rechtsabteilung, Übungen für Ernstfälle. Er führt den Mut zur eigenen Transformation ausdrücklich mit darauf zurück.

Im Gespräch erwähnt

Einordnung zu Tools und Anbietern findest du im Tax Tech Radar. Was ein technologischer Umbau wirtschaftlich bringt, kannst du im ROI-Rechner gegenrechnen.

Über den Gast

Christoph Prieler

CEO und Co-Founder von Finmatics, seit April 2025 Teil der norwegischen Visma-Gruppe. Bezeichnet sich selbst ausdrücklich als Buchhalter und nicht als Techniker: Nach der Universität in der Konzernbuchhaltung und Konsolidierung, danach Aufbau von Shared Service Centern für einen US-Konzern über China, Indien, Mexiko und Osteuropa, zeitweise mit 2.000 Buchhaltern in Indien. Seit über 25 Jahren an derselben Frage: Wieso geht das eigentlich nicht anders?

Externer Contributor beim Future Tax Think Tank 2026, dort im Oktober als Co-Facilitator zum Thema Synthetic Trust.

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