„Eine Steuerberatungskanzlei, die ausschließlich nach Zeit verrechnet: Da kann ich mir als Inhaber am 01.01. des Jahres meinen maximalen Umsatz für das ganze Jahr ausrechnen.“ Diesen Satz sagt kein Berater, der Kanzleien umkrempeln will. Er kommt von dem Mann, dessen Software genau die Zeit wegnimmt, nach der abgerechnet wird.
Mag. Richard Theiß ist Geschäftsführer der dvo Software. Bevor er die Seite gewechselt hat, war er Jurist in einer Steuerkanzlei; bei dvo hat er als Produktmanager begonnen. Er kennt also beide Seiten: den Schreibtisch, an dem gebucht wird, und die Plattform, auf der gebucht wird. Für diese Folge ist er aus Wien angereist, aufgenommen in der factory300 in der Tabakfabrik Linz.
Und er bleibt nicht bei der unbequemen Diagnose stehen: „Das klingt im ersten Moment richtig blöd. […] Ich darf da nicht aufhören zu denken.“ Die Folge ist dieses Weiterdenken: Management by Exception, der Human in the Loop, Zahlen, die Geschichten erzählen, und die Frage, wofür Unternehmer künftig überhaupt noch zahlen.
Kapitelmarken mit Deeplinks findest du weiter unten. Die tragenden Passagen gibt es zusätzlich zum Nachlesen — abschnittsweise aufklappbar.
- Wer Zeit verkauft, kennt seine Obergrenze
- Zeit verkaufen oder Werte verkaufen
- Management by Exception: kontrolliert wird, was auffällt
- Human in the Loop: warum der Buchhalter nicht verschwindet
- Zahlen, die Geschichten erzählen
- Wie digital Kanzleien wirklich sind
- Death of the Middle: wofür der Unternehmer künftig zahlt
- Software als Partner: Cloud ohne Big Bang
- Die Kanzlei der Zukunft ist phygital
- Kapitelmarken der Folge
- Das Gespräch zum Nachlesen
- Häufige Fragen
- Das Zeithonorar hat eine eingebaute Obergrenze. Wer nur Stunden verkauft, kennt seinen maximalen Jahresumsatz, bevor das Jahr begonnen hat.
- Automatisierung verschärft das: weniger verrechenbare Zeit, dazu höhere IT-Kosten. Das Problem ist nicht das Tool, sondern die Einheit, in der verkauft wird.
- Die Antwort heißt Werte verkaufen statt Zeit. Theiß’ Bild dafür: Kaum ein Maler weist noch Quadratmeter aus, er legt ein Angebot.
- Management by Exception: Das System prüft vorab und bewertet sich selbst, der Mensch kontrolliert nur, was auffällt. Dafür braucht es die Bereitschaft, bewusst Risiko in Kauf zu nehmen.
- Der Buchhalter verschwindet nicht, er wird zum Human in the Loop und, in Sebastian Thalhammers Worten, zum Orchestrierer der Datenströme.
- Beratung beginnt mit einer erklärten Zahl, nicht mit der Saldenliste im Anhang, die niemand öffnet.
- Die Mitte des Marktes kommt am stärksten unter Druck. Wer dort steht, muss beantworten können, wofür der Unternehmer künftig noch zahlt.
- Die Kanzlei der Zukunft ist nicht rein digital, sondern phygital: Technologie bereitet vor, der Mensch überzeugt.
Wer Zeit verkauft, kennt seine Obergrenze
Sebastian Thalhammer stellt die Frage bei 10:40 direkt an den Anbieter: Softwarehäuser sollen Kanzleien schneller und automatisierter machen, und genau das senkt die Marge für die Tätigkeit, die automatisiert wird. Wie löst man das gedanklich auf? Richard Theiß beginnt bei 11:50 nicht bei der Software, sondern beim Preismodell.
„Wie rechnen denn heute Kanzleien überwiegend ab? Zeit. Es wird Zeit verkauft. Und wenn Automatisierungstools kommen, sinkt die Zeit. Aber natürlich, die kosten ja auch was. Dann habe ich einerseits IT-Kosten und weniger Zeit, die ich verrechnen kann.“
Richard TheißBei 12:40 zieht er daraus den Satz, der die Folge trägt: Wer ausschließlich nach Zeit verrechnet, kann sich seinen Jahresumsatz ausrechnen, bevor das Jahr begonnen hat. Und diese Zahl hat nur eine Richtung.
Jede Automatisierung verkürzt die Bearbeitung. Im Zeithonorar ist genau diese Bearbeitung das Produkt.
Die Werkzeuge, die Zeit sparen, kosten Geld. Das Modell bezahlt die Effizienz doppelt: beim Einkauf und beim Umsatz.
„Der kann eigentlich, wenn ich nicht neue Mitarbeiter dazukriege, nur blöder werden, weil irgendwer krank ist, irgendwer ausfällt.“
„Ich habe überhaupt keine richtige Skalierungsmöglichkeit in meiner Arbeit. Und das ist eigentlich das, was wir mit diesen Tools reinbringen würden.“
Aus der Sicht eines Softwareunternehmers nennt Theiß das „echt ein blödes Gefühl“. Die Pointe liegt im zweiten Halbsatz: Dieselben Tools, die im Zeithonorar Umsatz kosten, wären in einem anderen Modell der Hebel für Skalierung. Das Problem ist nicht die Automatisierung, sondern die Einheit, in der verkauft wird.
Warum „KI macht dich ärmer“ stimmt und nicht stimmt. Für eine Kanzlei, die nach Zeit abrechnet, stimmt der Satz wörtlich: Jede eingesparte Stunde fehlt am Ende in der Honorarnote. Für eine Kanzlei, die ihre Leistung anders bepreist, stimmt er nicht. Welcher der beiden Sätze für dich gilt, entscheidet nicht die Technologie, sondern deine Honorarstruktur.
Zeit verkaufen oder Werte verkaufen
Theiß macht es sich nicht leicht mit der Antwort. Er nennt die Umstellung beim Namen, bei 13:21, mitsamt dem Aufwand, der dazugehört.
„Natürlich wird es eine Umstellung sein, die Honorarstruktur anzupassen, den Klienten das zu erklären, Werte zu verkaufen. Nicht mehr nur einfach: Da hast du die Belege gebucht, da hast du die Saldenliste, das kostet es. Sondern den Wert dahinter zu sehen.“
Richard TheißZeit verkaufen
Die Honorarnote beschreibt Tätigkeiten: Belege gebucht, Saldenliste erstellt. Der Klient sieht, was getan wurde, nicht, was es ihm bringt.
Werte verkaufen
„Die wenigsten Maler weisen noch Quadratmeter aus, sondern der kommt vorbei und gibt dir ein Angebot: Was wird die Buchhaltung kosten.“
Die Technologie ist in beiden Modellen dieselbe. Das Preismodell entscheidet, ob sie Umsatz kostet oder Kapazität schafft.
Das Maler-Bild fällt bei 1:02:24, und Theiß hängt eine Einschätzung an, die gegen jede Panik spricht: In einem Angebot steckt immer auch eine gewisse Basisarbeit. „Die Marge wird nicht komplett wegfallen. Da bin ich überzeugt davon.“ Was wegfällt, ist die Kopplung von Honorar an Minuten.
Die zweite Hälfte des Gegenmodells sind Standards. Bei 45:07 beschreibt Theiß, wie Kanzleien den automatisierten Versand von EVZ und KVZ blockieren, weil jeder Klient seine Mail bisher „ein bissl individuell“ bekommen hat. Manche sind beim ersten Mal verwirrt, einige vielleicht noch beim zweiten Mal. Der Gesamtgewinn aus dem Projekt ist trotzdem „viel, viel höher“.
Die Frage, die Individualisierung entscheidet. „Wo zahlt der Klient am Ende für diese Individualisierung?“ Zahlt er dafür, kann man sie sich überlegen, und dann weiter fragen, ob er so viel zahlt, dass dafür ein anderer Klient nicht betreut werden kann. Zahlt er nicht, ist die Individualisierung kein Service, sondern ein Kostenblock ohne Gegenleistung.
Management by Exception: kontrolliert wird, was auffällt
Wer mehr Klienten mit demselben Team betreuen will, kann nicht alles im bisherigen Detailgrad anschauen. Theiß nennt den Ansatz bei 13:21 Management by Exception und erklärt ihn bei 14:42 an einem Beispiel aus der BelegBox der dvo: hundert Belege hinein, Abgleich mit der Bank, heraus kommt eine Liste im Ampelsystem.
„Beim ersten Mal traue ich dem vielleicht noch nicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es so gut sein kann. Aber irgendwann kontrolliere ich dann nur mehr die, die gelb oder rot sind. Die KI prüft schon vorab, die KI bewertet sich selber: Wie sicher bin ich mir bei diesen Dingen?“
Richard TheißSelbstbewertung
Das System liefert nicht nur ein Ergebnis, sondern auch, wie sicher es sich dabei ist. Der Mensch entscheidet anhand dieser Rückmeldung, was er sich anschaut.
Vertrauen wächst
Am Anfang wird alles geprüft. Mit jedem Durchlauf, der stimmt, verschiebt sich die Kontrolle auf die auffälligen Fälle. „Das setzt sich dann immer weiter fort.“
Die Mentalität
„Buchhalter sind von der Mentalität Menschen, die wollen alles richtig machen.“ Künftig gehe es darum, wie sehr man ein gewisses Risiko in Kauf nimmt, und in welchen Bereichen.
ViDA und E-Rechnung
Mit elektronischen Rechnungen erwartet Theiß spätestens 2030 0 % Fehler bei den Steuern. Übrig bleibt etwa das falsche Aufwandskonto, und das löst sich spätestens bei der Bilanzierung wahrscheinlich auch KI-unterstützt auf.
Der entscheidende Gedanke steckt in der vierten Karte. Wenn die Steuerseite sicher ist, sind viele Haftungsthemen draußen. Ein Fehler, der ohne steuerliche Folge bleibt, ist dann kein Risiko mehr, sondern ein Preis, den man für Effizienz bewusst zahlt. Management by Exception heißt nicht, weniger genau zu sein, sondern die Genauigkeit dort einzusetzen, wo sie zählt.
Wie weit das reicht, zeigt Theiß an zwei Stellen später im Gespräch. Bei 1:01:07 nennt er das Finanzamtskonto, das ihn in seiner eigenen Kanzleizeit „einfach genervt“ hat und heute automatisiert verbucht werden kann. Wer in einigen Jahren neu anfängt, wird es vielleicht gar nicht mehr kennen. Und bei 1:16:54 beschreibt er, wie nach der Buchhaltung die Bilanzbuchungen vorab aufbereitet kommen, mit einem kurzen Hinweis des Systems: So wurde es im Vorjahr gebucht, so würde ich es jetzt machen. Nicht mehr abstimmen, sondern entscheiden.
Human in the Loop: warum der Buchhalter nicht verschwindet
Wenn das System vorab prüft, was bleibt dann für den Menschen? Theiß antwortet bei 17:36 zuerst mit dem Kontrollieren. Der Vorteil der Kanzlei ist, dass dort Leute sitzen, die Erfahrung haben und einschätzen können, was das System macht. Und er benennt die Gefahr auf der anderen Seite: Tools, die direkt an Unternehmer gehen, mit dem Gedanken, man brauche keinen Steuerberater mehr.
„Vielleicht sind manche Rechnungen einfach falsch ausgestellt. Und als Unternehmer kann ich das vielleicht nicht einschätzen. Deswegen brauche ich, glaube ich, auch in Zukunft diesen Human in the Loop, der die entsprechende Erfahrung hat, um das Ganze beurteilen zu können, was das System bringt.“
Richard TheißDer Unternehmer allein mit dem Tool
- Eingang
- Belege werden hineingeworfen. Das System versucht, sie richtig zu bewerten.
- Kontrolle
- Fehlt. Eine falsch ausgestellte Rechnung fällt niemandem auf, der nicht weiß, wie eine richtige aussieht.
- Risiko
- Bleibt beim Unternehmer, ohne dass er es sieht.
Mit Human in the Loop
- Eingang
- Beim neuen Klienten beginnt es nicht mit „Bring mir deinen Ordner“, sondern mit Fakturensystem, Onlineshops und der Frage, woher die Daten kommen.
- Kontrolle
- Die Erfahrung der Buchhaltung beurteilt, was das System liefert, und greift bei den Ausnahmen ein.
- Risiko
- Wird erkannt, bevor es beim Klienten ankommt.
Sebastian Thalhammer schärft das Bild bei 22:11. Er sieht Buchhalter, die als Interpreten der Zahlen stärker in den Klientenkontakt gehen, und andere, die fachlich-analytisch stark sind und sich in eine neue Richtung entwickeln: „dass die mehr und mehr zu den Orchestrierern der Datenströme werden“, die Schnittstellenbrüche eliminieren und Systeme vereinheitlichen. Ein Wort dafür gibt es in Österreich noch nicht. In Deutschland hat man es mit „Fibutroniker“ probiert.
Auf den Listen der Jobs, die KI wegrationalisiert, steht der Buchhalter laut Theiß „seit gefühlt zehn Jahren ganz oben“.
In Österreich ist Buchhalter ein Mangelberuf, und die Zahl der Buchhalter steigt jedes Jahr, „weil einfach die Bürokratie auch viel erfordert“.
Bei 1:06:55 beschreibt Theiß, wie Tätigkeiten nach unten wandern: vom Steuerberater zur Buchhaltung, von der Buchhaltung zu Nicht-Buchhaltern, „einfach weil das System mich führt“.
Viele Mitarbeitende sind seit Langem in ihren Kanzleien und haben wertvolles Know-how. „Bitte überlegt euch, was ihr mit den Leuten macht.“
Zahlen, die Geschichten erzählen
Den zweiten Teil der neuen Rolle erzählt Theiß bei 19:27 an seinen eigenen Eltern, beide Unternehmer. Sie bekommen jeden Monat Auswertungen vom Steuerberater, mit Zahlenlisten und Reporting. „Ist recht nett, aber der Anhang von diesem Mail wird nie aufgemacht, weil in der Mail steht eh drinnen, was man ans Finanzamt zahlen muss.“
Sein Gegenentwurf stammt aus dem eigenen Haus: Wenn bei dvo über Budgets gesprochen wird, redet er nicht über alles, sondern greift zwei Zahlen heraus und erklärt, wie sie auf das Geschäft wirken. Im nächsten Monat schaut man genau auf diese Zahl: Hat sie sich verändert? Haben die Maßnahmen gewirkt?
„Das ist eine ganz andere Beratung, die ich darauf machen kann. Einfach Zahlen, die Geschichten erzählen, nicht Friedhofsgärtner für die Zahlenlisten zu sein.“
Richard TheißSaldenliste und Reporting gehen vollständig hinaus. Gelesen wird die eine Zeile mit der Zahllast.
Jeden Monat einen Bereich herausgreifen, eine Zahl erklären und daran zeigen, wie sich das Unternehmen entwickeln kann.
Im Folgemonat prüfen, ob die gesetzte Maßnahme gewirkt hat. Aus dem Bericht wird ein Steuerungsinstrument.
„Vielleicht schickt man irgendwann gar keine Saldenlisten, sondern man gibt diese fünf KPIs jedes Monat aus“, sagt Theiß bei 1:15:24.
Sebastian Thalhammer liefert bei 44:00 das Gegenbeispiel aus der Praxis: eine Kanzlei, für die die neue Formatvorlage der BWA im eigenen Corporate Design ein Megathema war. Seine Antwort damals: „Das juckt überhaupt keinen außer die, weil du bist der Einzige, der es liest.“ Zehn Stunden für die richtige Schrift ändern nichts daran, dass der Anhang geschlossen bleibt.
Was daraus folgt. Die Investition gehört nicht in die Form des Berichts, sondern in die Erklärung einer einzelnen Zahl. Das kostet weniger Aufbereitung und mehr Urteil. Und genau dieses Urteil ist die Leistung, die sich nicht nach Minuten, sondern nach Wirkung bepreisen lässt.
Wie digital Kanzleien wirklich sind
Auf LinkedIn überschlagen sich die Erfolgsbotschaften, sagt Thalhammer bei 23:32, in der Praxis zeigt sich ein anderes Bild. Theiß antwortet mit einem Vergleich, den er schon bei 09:04 verwendet hat.
„Jeder sagt, er kann Excel, jeder kann fünf Prozent von Excel wahrscheinlich, weil den Rest benutzt man nicht. Und genauso ist es einfach mit den Digitalisierungsthemen. Man hat einfach blinde Flecken.“
Richard TheißBei 25:24 überträgt er das Bild auf die Kanzlei: Man fühlt sich digitalisiert, weil die Belege schon digital kommen, „und mehr mach ich eh nicht“. Dann bucht man „halt vom Bildschirm runter statt vom Stapel am Tisch“. Dass Belege ausgelesen und Buchungen vorgeschlagen werden, daran führt für ihn „kein Weg vorbei“. Wer sich weigert, riskiert, dass es irgendwann ein anderer macht und das eigene Modell nicht mehr profitabel ist.
Die Belege kommen digital, also gilt die Kanzlei als digital. Gebucht wird trotzdem wie früher, nur vom Bildschirm statt vom Papier.
„Die Sachen runterzubuchen, das macht einem am wenigsten Stress von allem. Wir haben das am wenigsten Stressige gelöst. Gratuliere.“
Klienten an Belege erinnern, E-Mails schreiben, interne Zeit erklären, die entsteht, weil man so viel nachfragen muss.
Das System trackt, was hochgeladen ist, und erinnert automatisch vor dem Periodenabschluss. Die Verantwortung liegt dann nicht mehr allein beim Buchhalter.
Der Stress, sagt Theiß bei 36:01, liegt vor dem Buchen. Und er ist zum Teil ein Kommunikationsthema: „Keiner will ständig seinen Klienten anreden und sagen: Mach das, weil sonst kostet es mehr. Da redet man einfach nicht drüber, und es kostet dann halt einfach mehr.“ Eine automatische Nachricht vor dem Abschluss macht klar, woran jeder ist, bevor der Mehraufwand entsteht.
Die eine Frage gegen den falschen Fokus. Oft kommen Kanzleien mit dem Problem von heute, erzählt Theiß bei 39:21: Der Button gehört nicht rechts unten, sondern links oben. Dahinter steckt meist eine Ursache ganz woanders im Prozess. Seine Gegenfrage bei 42:45 ist schlicht: „Was ist das Ziel? Was erwartest du dir: den Zeitgewinn, den Effizienzgewinn?“ Erst danach wird über Funktionen geredet.
Death of the Middle: wofür der Unternehmer künftig zahlt
Bei 47:48 stellt Sebastian Thalhammer die Frage, die über allem liegt: Wofür wird der Unternehmer noch bereit sein, gutes Geld zu zahlen, wenn die Basistätigkeit, die Compliance, das Abarbeiten, von Software übernommen wird und zur Commodity geworden ist? Er bringt dazu einen Begriff aus Beobachtungen in Europa ein: Death of the Middle.
Boutique
Kanzleien mit einem sehr klaren Claim und einer klaren Position am Markt.
Gefangen
Weder nach vorn noch zurückgegangen. „Sie haben steigende IT-Kosten, sinkende Margen, sie sind in der Mitte und gefangen in diesem Dilemma.“
Big Four
Viel Wirtschaftsprüfung und quantitative Compliance. Gemeinsam mit den Boutiquen bekommen sie den Großteil des Kuchens.
Theiß’ Antwort beginnt bei 49:45 mit dem, was nicht mehr funktioniert: das KI-Thema durchrauschen lassen, Scheuklappen aufsetzen und sagen, ich mache weiter wie bisher, „weil in sechs Jahren gehe ich vielleicht eh in Pension“. In sechs Jahren, sagt er, wird die Branche definitiv anders ausschauen.
„Ich bin nicht der Erfüllungsgehilfe des Finanzamts, der dir ausrechnet, wie viel du jedes Monat zahlen musst. Ich bringe dir einen Mehrwert. Ich zeige dir, auf was du achten musst. Wie kannst du dein Geschäft erfolgreich machen?“
Richard TheißDazu kommt ein Motiv, das Theiß bei vielen österreichischen Unternehmen sieht: Sicherheitsdenken. Was der Steuerberater angeschaut hat, hat für sie eine andere Qualität, als wenn es rein die KI durchlaufen lässt. Wer diesen Mehrwert sieht und damit wächst, ist auch bereit, dafür zu zahlen.
Wofür der Unternehmer nicht mehr zahlt
- Abarbeitung
- Die Basistätigkeit, wo der Großteil des Umsatzes liegt, geht gegen null, sobald Software sie übernimmt.
- Erfüllung
- Die Zahllast ausrechnen und weiterreichen. Das ist die Rolle, die Theiß ausdrücklich ablehnt.
Wofür er zahlen wird
- Der CFO, den er nicht hat
- „Österreich ist ein Land der Klein- und Mittelunternehmer, und die haben nicht die Möglichkeit, sich alle einen CFO einzustellen.“ Förderungen, Bankgespräche, Zinsen, Kredite.
- Erfahrung aus vielen Mandaten
- Der Steuerberater hat es schon so oft erlebt, dass er den Unternehmer davor schützen kann, dieselben Fehler zu machen wie viele zuvor.
Thalhammer spitzt bei 57:29 zu. Im Future Tax Collective gehe es darum, vom ersetzbaren Abarbeiter zur unersetzbaren Autorität für den Unternehmer zu werden. Als Gegenstimme zitiert er einen Satz, den er so gehört hat: „Dafür bin ich nicht Steuerberater geworden.“ Er hat daraufhin nachgesehen, was die Kammer als Grundpfeiler der Steuerberatung nennt. Der dritte war die Unternehmensberatung.
Wie viele Kanzleien diesen Weg gehen? Theiß weicht bei 59:58 nicht aus: einige, und es ist beschwerlich, wenn man den Job schon zwanzig Jahre macht. Für viele sieht er die Gefahr, es einfach auszusitzen. Gleichzeitig erlebt er bei der großen Kundenveranstaltung mit über 200 Steuerberatern „dieses Aufbruchsgefühl. Ja, es wird mühsam, aber wir werden uns auf den Weg machen.“ Sein Fazit: „Der Markt der Steuerberater ist nicht dem Tode geweiht.“
Die Kostenseite, die gern vergessen wird. Theiß erwartet bei 51:23 steigende Softwarekosten. Die großen KI-Modelle seien derzeit nicht profitabel, sondern investorenfinanziert, und offen sei, wie lange Investoren noch bereit sind, Geld hineinzustecken. Wenn die Modelle am Ende so viel kosten wie Menschen, „dann wird es auch wieder interessant“: Dann wird man viel gezielter entscheiden, was man einsetzt und was nicht. Wer heute rechnet, sollte nicht mit dem heutigen Preis rechnen.
Software als Partner: Cloud ohne Big Bang
Bei 28:41 benennt Thalhammer einen Denkfehler, den er in Kanzleien immer wieder beobachtet: Software wird rein als Tool und Werkzeug betrachtet. Er lädt die Mitglieder im Collective, das selbst produktunabhängig ist, ein, das als Partnerschaft zu denken. Ein Kanzleisystem sei eigentlich „das Herz- und Kernstück meiner unternehmerischen Existenz“.
Theiß antwortet bei 31:43 mit Herkunft: dvo wurde von Steuerberatern gegründet, „und das ist tief in unserer DNA drinnen, das System gemeinsam weiterzuentwickeln“. Für den Weg in die Cloud beschreibt er bei 33:45 seinen eigenen Ansatz, und der ist ausdrücklich iterativ.
Software als Werkzeug
- Blick
- Ein Tool für eine Aufgabe, bewertet nach dem, was es heute kann.
- Beziehung
- Kaufen, nutzen, wechseln, sobald etwas Neues auftaucht.
- Für die Kanzlei
- Jede größere Veränderung wird zum Umstieg, den man allein stemmen muss.
Software als Partner
- Blick
- Das Herz- und Kernstück der unternehmerischen Existenz der Kanzlei.
- Beziehung
- Gemeinsame Weiterentwicklung, laufendes Feedback vom Markt, die Anwender werden mitgenommen.
- Für die Kanzlei
- Sie wächst Stück für Stück mit in die Cloud, bis sie merkt, dass sie in der klassischen FIBU gar nicht mehr drin ist.
„Es ist nicht so, dass es diesen Big Bang gibt, wo ich am nächsten Tag aufwache und meine Software ist komplett anders.“
Richard TheißDen Nukleus dafür sieht Theiß in der BelegBox. In diese Cloud-Plattform kommt immer mehr hinein, neue Dinge, aber auch Dinge, die die klassische Softwareplattform schon kann. Dieser Weg habe für ihn „viel, viel mehr Substanz“, weil er das Feedback vom Markt und die Leute mitnimmt, statt am Ende ein riesiges Migrationsprojekt daraus zu machen.
Daneben steht eine zweite Haltung, die Theiß bei 27:29 formuliert: dvo sehe es nicht als Anspruch, alles selbst zu entwickeln. Als einer der drei großen Anbieter, die in Österreich für eine komplette Steuerberatungslösung übrig sind, will man eine stabile Basis legen, auf die spezialisierte Tools andocken können. Offenheit werde künftig mitentscheiden, welche Software eine Kanzlei wählt.
Thalhammer denkt Wertschöpfung bei 1:04:18 in konzentrischen Kreisen: außen das Erfüllen, nach innen hin weniger Fachliches und mehr Menschliches. Anbieter müssen für beide Ebenen gleichzeitig bauen.
„Wir geben ein bisschen die Richtung vor“, sagt Theiß bei 1:05:44. Funktionen, die Sekretariatsarbeit ablösen, sind eine Aufforderung an die Kanzlei, die frei werdende Zeit neu zu planen.
„Selten ist die Welt schwarz und weiß.“ Den ersten Schritt sieht Theiß beim Anbieter, weil die Arbeitslast in den Kanzleien kaum Raum für Neues lässt. Den zweiten bei Vorreiter-Kanzleien, die zur Stimme werden.
„Meinem Anbieter kann ich glauben, muss ich nicht. Dem Anwender traue ich immer mehr.“ Steter Tropfen höhlt den Stein, und meist kommt der Schmerz, der den Wandel auslöst, von einer anderen Seite.
Der Königsweg aus einer anderen Branche. Thalhammer ergänzt bei 1:12:26 ein Beispiel: HubSpot hatte von Tag eins an eine klientenzentrierte Inbound-Methodik und hat alles, was man dort kaufen kann, darum gebaut. Wer damit arbeitet, wird automatisch Anwender dieser Methode. Software, in die eine Haltung eingebaut ist, verändert Verhalten, ohne dass jemand darüber redet.
Die Kanzlei der Zukunft ist phygital
Gefragt nach seiner Kanzlei der Zukunft, beschreibt Theiß bei 1:14:32 zuerst die Buchhaltung: Es gibt eine geprüfte Wahrheit der Belege, die der Klient einsehen kann. Er wirft fünfhundert neue Belege hinein und sieht innerhalb von Sekunden, wie sie sich auf seine Zahlen auswirken, zunächst KI-basiert, danach kontrolliert. „Es wird ein viel, viel lebendigeres Steuern des Unternehmens.“ Diese Kanzlei ist komplett digital in der Cloud und zeigt an vielen Stellen, dass sie mitdenkt.
Sebastian Thalhammer widerspricht bei 1:18:33 in einem Punkt: Er glaubt nicht, dass alles digital wird, und er hofft es auch nicht. Er glaubt an phygital, den Schulterschluss von Digitalem und Physischem. Das Gespräch selbst ist sein Beleg: Geplant war es online, Theiß ist dafür aus Wien angereist.
Vorbereiten
Datenverarbeitung, Interpretation, Aufbereitung: „Das lass ich mir bitte durch was auch immer grad geht aufbereiten, vorbereiten, vorlegen.“
Showtime
„Wenn dann Showtime ist, dann geht es ans Eingemachte. Dann ist das Mensch-zu-Mensch-Ding gefragt.“ Dort zeigt sich, warum man ihnen mehr zahlt als anderen.
Emotion
Die Geschichte hinter den Zahlen muss eine Emotion auslösen, sagt Theiß bei 1:20:09. Erst dadurch entsteht die Verbindung, die die Klientenbeziehung langfristig absichert.
Beziehung
Auch gegenüber dem Anbieter zählen für Theiß bei 1:22:53 die Beziehungen: was man als Kunde bewirken kann und wie sehr man in einen Austausch geht.
„Die wirklich erfolgreichen Steuerberatungskanzleien finden Wege, Technologie und ihre eigene Menschlichkeit einzusetzen, um Vertrauen zu skalieren.“
Sebastian ThalhammerDas sei nicht einmal eine These, sagt Thalhammer bei 1:21:37, es werde längst gemacht, nur nicht hier. Er verweist auf Unternehmen wie Corvee und Bean Ninjas, die schon vor der Pandemie erkannt haben, dass die Mensch-zu-Mensch-Interaktion das höchste Gut ist, und Technologie so einsetzen, dass davon mehr bleibt.
Zwei Sätze zum Schluss. Was er sich für die nächsten zwölf Monate von Kanzleien wünscht, fasst Theiß bei 1:24:13 in einen Begriff: Offenheit gegenüber Neuem, und die Frage, ob das, was man macht, noch richtig ist. Und was Kanzleien an KI grundsätzlich falsch verstehen, beantwortet er in der Blitzlichtrunde bei 1:28:03: „Die KI löst nicht grundsätzlich alle Probleme. Man braucht immer eine gute Datenbasis.“ Und die Prozesse, „jetzt sage ich es schon wieder“.
Verkaufst du noch Zeit, oder schon Werte?
Abarbeiter, Erfüllungsgehilfe oder Wegbereiter: Der Future Tax Index ordnet deine Kanzlei ein. Fünfzig Fragen, fünf Minuten, eine klare Ansage.
Was du mitnimmst
- Warum das Zeithonorar eine Umsatzobergrenze festschreibt, bevor das Jahr beginnt
- Weshalb Automatisierung im Zeitmodell doppelt kostet: bei der Anschaffung und beim Umsatz
- Was Werte verkaufen heißt, und warum der Maler keine Quadratmeter mehr ausweist
- Wie Management by Exception funktioniert: Selbstbewertung des Systems, Kontrolle der Ausnahmen
- Warum Buchhalter lernen müssen, bewusst Risiko in Kauf zu nehmen
- Was der Human in the Loop leistet, den ein Unternehmer mit Tool allein nicht hat
- Wie aus der Saldenliste im Anhang eine Zahl wird, die eine Geschichte erzählt
- Wo der eigentliche Stress in der Buchhaltung liegt, und warum es nicht das Buchen ist
- Die eine Frage, die den falschen Fokus aufdeckt: Was ist das Ziel?
- Warum die Mitte des Marktes am stärksten unter Druck kommt
- Weshalb KI-Kosten nicht dauerhaft so niedrig bleiben werden
- Was eine Kanzlei phygital macht und wie sie damit Vertrauen skaliert
Kapitelmarken der Folge
- 00:00Kanzleien verkaufen Zeit
- 01:17Wer die Software der Kanzleien baut
- 02:08Von der Steuerkanzlei zur dvo
- 05:24Die Dinge entwickeln, die man morgen braucht
- 08:04Die echten Herausforderungen mittelständischer Kanzleien
- 10:40Automatisierung drückt die Marge
- 12:40Am 1.1. steht der Maximalumsatz fest
- 14:29Management by Exception
- 16:56Die neue Rolle der Buchhaltung
- 19:27Zahlen, die Geschichten erzählen
- 22:44KI-Opfer und Mangelberuf zugleich
- 23:32Wie digital sind Kanzleien wirklich?
- 28:41Software als Partner der Kanzlei
- 31:43Cloud ohne Big Bang: der Weg der dvo
- 36:01Der eigentliche Stress: Belegen nachlaufen
- 38:15Worauf sich Kanzleien falsch konzentrieren
- 45:07Standards statt Individualisierung
- 47:48Wofür zahlt der Unternehmer künftig noch?
- 55:13Der Steuerberater als CFO für KMU
- 57:29Vom Abarbeiter zur unersetzbaren Autorität
- 59:58Wie viele Kanzleien gehen diesen Weg?
- 1:04:18CORE-Modell und die Rolle des Anbieters
- 1:08:33Tool oder Haltung: Was kommt zuerst?
- 1:13:55Die Kanzlei der Zukunft
- 1:18:33Phygital: Warum der Mensch wichtiger wird
- 1:21:16Vertrauen skalieren
- 1:23:09Richards Wunsch für die nächsten zwölf Monate
- 1:25:57Blitzlichtrunde
Das Gespräch zum Nachlesen
Redigierte Fassung der tragenden Passagen, abschnittsweise aufklappbar. Füllwörter entfernt, Dialekt geglättet, Reihenfolge des Gesprächs beibehalten. Zahlen und Eigennamen gegen die Aufnahme geprüft.
01 · Es wird Zeit verkauft
Sebastian Thalhammer: Ihr als Softwareanbieter seid gefordert, Lösungen, Technologien, eine Plattform zu liefern, damit die Steuerberatungskanzlei schneller, effizienter, automatisierter arbeiten kann. Gleichzeitig senkt das aber auch die Marge von dem, was man für diese Tätigkeit kriegt. Wie löst ihr dieses strukturelle Problem gedanklich auf?
Richard Theiß: Das Erste, worauf ich da immer schaue: Wie rechnen denn heute Kanzleien überwiegend ab? Zeit. Es wird Zeit verkauft. Und wenn Automatisierungstools kommen, sinkt die Zeit. Aber die kosten ja in der Regel auch was. Dann habe ich einerseits IT-Kosten und weniger Zeit, die ich verrechnen kann.
Sebastian Thalhammer: Die Kosten steigen, ja.
Richard Theiß: Genau, Kosten steigen, und die Zeit, die ich verrechnen kann, sinkt. Das klingt im ersten Moment richtig blöd. Aber man muss schauen: Was ist der nächste Schritt? Ich darf da nicht aufhören zu denken. Bisher ist es so, dass sich der Inhaber einer Steuerberatungskanzlei, die ausschließlich nach Zeit verrechnet, am 01.01. des Jahres seinen maximalen Umsatz für das ganze Jahr ausrechnen kann. Der kann eigentlich, wenn ich nicht neue Mitarbeiter dazukriege, nur blöder werden, weil irgendwer krank ist, irgendwer ausfällt. Für mich aus der Softwareunternehmersicht ist das echt ein blödes Gefühl. Ich habe überhaupt keine richtige Skalierungsmöglichkeit in meiner Arbeit, und das ist eigentlich das, was wir mit diesen Tools reinbringen würden.
Natürlich wird es eine Umstellung sein, die Honorarstruktur anzupassen, den Klienten das zu erklären, Werte zu verkaufen. Nicht mehr nur: Da hast du die Belege gebucht, da hast du die Saldenliste, das kostet es. Sondern den Wert dahinter zu sehen. Und dann viel mehr Klienten abzuarbeiten, indem man nicht mehr alles in diesem Detailgrad anschauen muss. Unser Ansatz ist Management by Exception: das entsprechend aufzubereiten, den User zu führen, den Buchhalter zu ermächtigen, viel mehr zu tun, sodass er schon in eine Art Beratung hineingehen kann, weil er vom System unterstützt wird.
02 · Management by Exception
Sebastian Thalhammer: Management by Exception, das hört sich cool an. Wenn du es in wenigen Sätzen erklärst: Was ist das?
Richard Theiß: Ich bringe das Beispiel immer in Verbindung mit unserer BelegBox. Ich werfe hundert Belege hinein, die werden mit der Bank verknüpft, und dann kriege ich eine Liste mit Ampelsystem: grün, orange, rot. Beim ersten Mal traue ich dem vielleicht noch nicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es so gut sein kann. Aber irgendwann kontrolliere ich nur mehr die, die gelb oder rot sind, und das setzt sich immer weiter fort. Die KI prüft schon vorab, die KI bewertet sich selber: Wie sicher bin ich mir bei diesen Dingen? Und gibt dem User die Rückmeldung, der dann entscheiden kann, was er sich anschaut.
Buchhalter sind von der Mentalität Menschen, die wollen alles richtig machen. Das ist für ihren Beruf bisher extrem wichtig gewesen. In der Zukunft muss man sich vielleicht anschauen: Wie sehr nehme ich ein gewisses Risiko in Kauf, und in welchen Bereichen? Wir zeichnen da das Bild bis 2030. Da kommt ViDA mit den elektronischen Rechnungen, und das System wird nur mehr viel besser. Bei manchen Rechnungen können wir heute schon den QR-Code auslesen, in dem genau die Steuerthemen drinstehen. Spätestens 2030 gibt es 0 % Fehler, was die Steuern betrifft. Damit habe ich viele Haftungsthemen draußen, und es bleibt nur mehr offen, ob es vielleicht am richtigen Aufwandskonto verbucht ist. Das ist ein Fehler, den kann ich hinnehmen, um möglichst effizient zu sein. Und der löst sich am Ende wahrscheinlich auch KI-unterstützt auf, spätestens bei der Bilanzierung, wenn ein Konto bebucht worden ist, das es sonst noch nie gegeben hat.
03 · Der Human in the Loop
Sebastian Thalhammer: Was du beschreibst, ist ein Shift der Rolle des Buchhalters in seiner klassischen Definition. Wohin entwickelt sich die Buchhaltung idealerweise im Modell Management by Exception?
Richard Theiß: In dem Modell einmal ganz klar aufs Kontrollieren, was das System macht. Da habe ich den großen Vorteil, dass Leute sitzen, die Erfahrung haben und einschätzen können, was das System dahinter macht. Die Gefahr ist eher, wenn diese Tools auf die Unternehmen losgelassen werden und die Leute denken: Ich brauche jetzt keinen Steuerberater mehr, ich mache das selber. Dann wirft er seine Belege hinein. Das System versucht, das richtig zu bewerten, aber vielleicht sind manche Rechnungen einfach falsch ausgestellt. Als Unternehmer kann ich das vielleicht nicht einschätzen. Deswegen brauche ich, glaube ich, auch in Zukunft diesen Human in the Loop, der die entsprechende Erfahrung hat, um das Ganze beurteilen zu können.
Wenn ich einen neuen Klienten kriege, starte ich nicht mit: Bring mir deinen Ordner. Sondern ich gehe mit ihm in Austausch: Welches Fakturensystem hast du? Welche Onlineshops hast du? Wo kriegen wir die Daten her? Wie kann ich sie bei mir in der Plattform so zentralisieren, dass das, was dann laufend passiert, möglichst effizient ist? Da sehe ich den Buchhalter ganz stark. Der muss da ein gewisses Know-how haben.
04 · Zahlen, die Geschichten erzählen
Richard Theiß: Meine Eltern sind auch Unternehmer, nicht unbedingt die, die sich super intensiv mit den Zahlen beschäftigen. Die kriegen jedes Monat Auswertungen von ihrem Steuerberater, mit Zahlenlisten und Reporting. Ist recht nett, aber der Anhang von diesem Mail wird nie aufgemacht, weil in der Mail eh drinsteht, was man ans Finanzamt zahlen muss. Ich finde das eigentlich ein bissl schade.
Wenn wir bei der dvo über Budgets und unsere Zahlen reden, dann rede ich nicht immer über alles. Ich pack mir zwei Zahlen raus und erkläre sie: Wie wirken die sich auf mein Business aus? Was verändert sich, wenn wir einmal auf diese eine Größe schauen und im nächsten Monat genau versuchen, da anzusetzen? Dann ist das nicht so ein Zahlenfriedhof. Im nächsten Monat wird genau auf diese Zahl geschaut: Hat sie sich verändert? Haben sich die Maßnahmen ausgewirkt? Ich glaube, das macht Unternehmen viel effizienter. Das ist eine ganz andere Beratung, die ich darauf machen kann. Einfach Zahlen, die Geschichten erzählen, nicht Friedhofsgärtner für die Zahlenlisten zu sein.
Sebastian Thalhammer: Das sehen wir im Future Tax Collective ziemlich genau so. In den Buchhaltern tun sich Lager auf. Die einen halten am alten Konzept fest, und die werden auch noch eine Zeit lang Berechtigung haben. Die anderen sagen: Game on, ich werde mehr zum Interpreten der Zahlen. Und dann sehe ich den Trend, dass die, die fachlich-analytisch präzise sind, mehr und mehr zu den Orchestrierern der Datenströme werden. Die werden gut darin, Schnittstellenbrüche zu eliminieren und Systeme zu vereinheitlichen. Wir haben da noch kein cooles Wort dafür. In Deutschland haben sie es mit Fibutroniker probiert.
05 · KI-Opfer und Mangelberuf zugleich
Richard Theiß: Was ich höchst interessant finde: In diesen Statistiken, welche Jobs von KI wegrationalisiert werden, steht seit gefühlt zehn Jahren der Buchhalter ganz oben. Und auf der anderen Seite ist Buchhalter in Österreich ein Mangelberuf. Wie passt das zusammen? Zwei Interpretationen hätte ich dafür: Entweder unsere Kanzleien sind alle nicht digitalisiert, oder wir haben so wenige Buchhalter. Aber wenn man sich die Statistiken anschaut, steigen die Buchhalter jedes Jahr. Wir haben so viele Buchhalter wie noch nie, weil die Bürokratie auch viel erfordert, muss man ganz ehrlich sagen.
Sebastian Thalhammer: Wie schätzen Kanzleien ihren Digitalisierungsstand eigentlich ein? Was bemerkst du da für Muster?
Richard Theiß: Viele fühlen sich digitalisiert, weil sie die Belege schon digital kriegen, und mehr machen sie nicht. Dann buchst du halt vom Bildschirm runter statt vom Stapel am Tisch. Oder du gehst weiter, lässt schon etwas OCR-mäßig auslesen, lässt dir etwas vorschlagen. Und da bin ich zum Beispiel überzeugt davon: Da wird kein Weg dran vorbeiführen. Und wenn sich Kanzleien nur so sehr weigern, dann macht es irgendwer anderer, und irgendwann ist es dann einfach nicht mehr profitabel.
06 · Cloud ohne Big Bang
Richard Theiß: Bei dvo kann ich ganz klar sagen: dvo ist irgendwann einmal von Steuerberatern gegründet worden, und das ist tief in unserer DNA drinnen, das System gemeinsam weiterzuentwickeln. Wir haben einen ganz klaren Zukunftsplan, wohin wir die dvo in Österreich entwickeln wollen. Das ist unser Markt, wo wir unsere Expertise haben.
Ich sehe den Weg in die Cloud als iterativen Weg. Wir haben mit unserer BelegBox den Nukleus für genau diese Cloud-Plattform der Zukunft geschaffen. In diese Cloud-Plattform kommt immer mehr hinein, neue Dinge, aber auch Dinge, die unsere klassische Softwareplattform kann. Wir nehmen sie Stück für Stück, und unsere Kunden wachsen mit uns gemeinsam in diese Cloud-Welt hinein. Es ist nicht so, dass es diesen Big Bang gibt, wo ich am nächsten Tag aufwache und meine Software ist komplett anders. Irgendwann werde ich mich fragen: Eigentlich erledige ich eh schon alles über die BelegBox, ich bin in der klassischen FIBU gar nicht mehr drinnen. Dieser Weg hat für mich viel mehr Substanz. Er gibt uns viel mehr Möglichkeiten, das Feedback vom Markt und die Leute mitzunehmen, statt am Ende ein riesiges Migrationsprojekt daraus zu machen.
07 · Der eigentliche Stress
Richard Theiß: Viele sagen: Eigentlich brauchst du nur mehr deine Belege hineinwerfen, und du kriegst die fertige Buchhaltung heraus. Das ist viel zu kurz gegriffen. Erstens muss ich die Belege überhaupt einmal kriegen. Wer macht sich über diesen Prozess Gedanken?
Sebastian Thalhammer: Ausdrucken.
Richard Theiß: Genau. Oder: Wie lädt mir der Klient das hoch? Wie gestalte ich den Prozess? Wenn man mit Buchhaltern redet, dann ist meine Rückmeldung: Die Sachen runterzubuchen, das macht einem am wenigsten Stress von allem. Wir haben das am wenigsten Stressige gelöst. Gratuliere. Was Stress bedeutet, oder wo man Sorge hat, dass einem etwas untergeht, ist, dass man den Klienten nachläuft, damit sie die Belege liefern. Fünf E-Mails schreibt, mit denen man ständig beschäftigt ist, wo man vielleicht die Zeit nicht erfasst und dann mit seinem Kanzleichef noch ein Thema hat, weil man so viel interne Zeit hat.
Genau bei diesem Prozess muss die Software ansetzen. Das System trackt: Hat der Klient schon etwas hochgeladen? Er wird automatisiert per E-Mail informiert: Morgen wird die Periode abgeschlossen. Wenn du noch Belege hast, lade sie bitte jetzt hoch, ansonsten entsteht ein Aufwand. Das sind ja schwierige Kommunikationsthemen. Keiner will ständig seinen Klienten anreden und sagen: Mach das, weil sonst kostet es mehr. Da redet man einfach nicht drüber, und es kostet dann halt einfach mehr. So kann ich das viel früher abfangen und klar kommunizieren. Jeder weiß, woran er ist.
08 · Death of the Middle
Sebastian Thalhammer: Kanzleien werden gefordert sein, sich sehr dringlich mit der Frage auseinanderzusetzen: Was bleibt noch, wenn die Basistätigkeit, wo bei den meisten Kanzleien der Großteil des Umsatzes liegt, wegfällt oder sehr stark gegen null geht? Wir sehen Trends in Europa, wo man den Begriff Death of the Middle kreiert hat. Auf der einen Seite haben sich Boutique-Kanzleien gebildet, die eine sehr klare Position am Markt haben. Auf der anderen Seite die Big Four, die viel mit Wirtschaftsprüfung und quantitativer Compliance machen. Die zwei kriegen den Großteil des Kuchens. In der Mitte sind die, die weder nach vorn noch zurückgegangen sind. Sie haben steigende IT-Kosten, sinkende Margen, sie sind in der Mitte und gefangen in diesem Dilemma. Was sagst du Kanzleien? Was ist heute zu tun, um in drei Jahren die Frage gut beantworten zu können: Dafür zahlen wir die Kohle?
Richard Theiß: Ganz wichtig ist, das KI-Thema nicht einfach durchrauschen zu lassen, Scheuklappen aufzusetzen und zu sagen: Ich mache weiter wie bisher, weil in sechs Jahren gehe ich vielleicht eh in Pension. Das funktioniert nicht mehr. Dafür ist die Welt inzwischen zu schnelllebig. Die Branche wird definitiv anders ausschauen, und man muss sich mit den Tools beschäftigen, die gerade auf den Markt kommen.
Wohin geht diese Transformation? Dem Klienten einen Mehrwert zu bieten, ihm klarzumachen: Ich bin nicht der Erfüllungsgehilfe des Finanzamts, der dir ausrechnet, wie viel du jedes Monat zahlen musst. Ich bringe dir einen Mehrwert. Ich zeige dir, auf was du achten musst. Wie kannst du dein Geschäft erfolgreich machen? Da kommt auch ein gewisses Sicherheitsdenken mit hinein, das bei vielen österreichischen Unternehmen da ist: Wenn mein Steuerberater das anschaut, hat das eine andere Qualität, als wenn es rein die KI anschaut. Und wenn ich diesen Mehrwert sehe und damit auch wachse, dann bin ich auch bereit, dafür etwas zu zahlen.
09 · Der Steuerberater als CFO für KMU
Sebastian Thalhammer: Was sind konkrete Pakete, Themen, bei denen ihr als Softwareanbieter sagt: Ein Zukunftsmarkt für Steuerberatungskanzleien wird das sein?
Richard Theiß: Eins ist das mit den Zahlen lebendig machen. Das ist mein Zukunftsbild: Jedes Monat, wenn ich die Saldenlisten hinausschicke, oder jedes halbe Jahr, gehe ich auf einen Bereich, auf eine Zahl besonders ein und verkaufe wirklich dieses Produkt: Wie kann ich mich als Unternehmen entwickeln? Österreich ist ein Land der Förderungen, da noch viel mehr hineinzugehen. Die Unternehmer in ihrem Standpunkt abzuholen, Fragen zu stellen. Nicht nur: Wo ist der Beleg? Sondern: Wie geht es dir, wie schaut es aus? Möglicherweise werden die Steuerberater viel mehr mitgehen, auch zu Banken, und versuchen, die Daten dort verständlicher zu machen.
Österreich ist ein Land der Klein- und Mittelunternehmer, und die haben nicht die Möglichkeit, sich alle einen CFO einzustellen. Die brauchen den Steuerberater genau für diese Tätigkeiten, die der CFO oft erledigt. Und der Steuerberater hat den Überblick, weil er so viele Klienten hat. Er hat das schon so oft erlebt und kann den Klein- und Mittelunternehmer davor schützen, dass er genau die gleichen Fehler macht wie viele zuvor. Da sollte der Fokus liegen, in einem viel breiteren Bereich: dass man nicht nur Steuerberater ist, sondern dass es viel mehr Richtung Unternehmensberatung geht.
10 · Phygital und Vertrauen skalieren
Sebastian Thalhammer: Weil du gesagt hast, du glaubst, dass alles digital wird: Ich glaube das nicht, und ich hoffe es auch nicht. Ich glaube, es wird phygital. Das Wort beschreibt genau diesen Schulterschluss zwischen Digitalem und Physischem. Du bist extra aus Wien hergefahren. Ursprünglich war der Plan, dass wir es online machen. Ich habe gedacht: Nix da. Wenn ich schon mit dir rede, dann in Person. So viel wird digital, und das Menschliche geht leicht verloren. Ich sehe, dass das Bedürfnis nach echter Interaktion durch den vermehrten Einsatz von Digitalem steigt. Ein paar Kanzleien werden das erkennen und sagen: Alles davor, währenddessen, danach, in der Datenverarbeitung, in der Interpretation, das lasse ich mir aufbereiten, vorbereiten, vorlegen. Aber wenn dann Showtime ist, geht es ans Eingemachte. Dann ist das Mensch-zu-Mensch-Ding gefragt. Wie resoniert das mit dir?
Richard Theiß: Da bin ich ganz dabei. Das ist genau dieses Konzept der Geschichte hinter den Zahlen. Die müssen eine Emotion auslösen. Dadurch erreiche ich den Menschen, der mir gegenübersitzt, und erst dadurch schaffe ich die Verbindung, die mir auch die Klientenbeziehung langfristig absichert. Ich verstehe das, was du in deiner Arbeit machst, und ich bereite das so auf, dass du damit etwas anfangen kannst und ein Gefühl dazu entwickelst.
Sebastian Thalhammer: Ich bin überzeugt: Die wirklich erfolgreichen Steuerberatungskanzleien finden Wege, Technologie und ihre eigene Menschlichkeit einzusetzen, um Vertrauen zu skalieren. Und das ist nicht einmal These. Ich habe es schon gesehen, es wird schon gemacht, nur halt nicht bei uns. Seit Jahren erzähle ich von Unternehmen wie Corvee oder Bean Ninjas. Die haben das schon vor der Corona-Pandemie gelebt. Die haben erkannt, dass die Mensch-zu-Mensch-Interaktion eigentlich das höchste Gut ist, und ich mir die Frage stellen muss: Wie kann ich Technologie einsetzen, um mehr von dem zu kriegen und weniger vom anderen?
Häufige Fragen
Warum wird Automatisierung für Kanzleien mit Zeithonorar zum Problem?
Weil jede Automatisierung die verrechenbare Zeit senkt, während die IT-Kosten steigen. Wer ausschließlich nach Zeit abrechnet, kennt laut Richard Theiß schon zu Jahresbeginn seinen maximalen Umsatz. Ohne zusätzliche Mitarbeiter kann er nur sinken. Automatisierung schafft in diesem Modell keine Skalierung, sondern weniger Umsatz.
Was bedeutet Management by Exception in der Buchhaltung?
Das System prüft vorab, bewertet die eigene Sicherheit und markiert Fälle nach einem Ampelprinzip. Kontrolliert wird nur, was auffällig ist. Voraussetzung sind Vertrauen, das mit jedem stimmigen Durchlauf wächst, und die Bereitschaft, in klar abgegrenzten Bereichen ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen.
Was ist mit Human in the Loop gemeint?
Ein erfahrener Mensch, der beurteilt, was das System liefert. Theiß warnt davor, dass Unternehmer Tools allein nutzen und etwa falsch ausgestellte Rechnungen nicht erkennen. Die Erfahrung der Buchhaltung wird damit zur Kontrollinstanz, nicht überflüssig.
Wird der Buchhalter durch KI ersetzt?
Nach Theiß’ Beobachtung steht der Buchhalter seit Jahren ganz oben auf den Listen der durch KI gefährdeten Berufe und ist gleichzeitig in Österreich ein Mangelberuf, dessen Zahl jedes Jahr steigt. Die Rolle verschiebt sich: aufs Kontrollieren, auf das Einrichten der Datenquellen beim Klienten und, wie Sebastian Thalhammer es nennt, auf das Orchestrieren der Datenströme.
Was heißt „Zahlen, die Geschichten erzählen“?
Statt Saldenlisten im Anhang, die kaum jemand öffnet, wird eine einzelne Zahl herausgegriffen und erklärt: Was bewirkt sie im Geschäft, welche Maßnahme setzt man, und hat sie im nächsten Monat gewirkt? Theiß’ Zielbild sind wenige KPIs pro Monat statt vollständiger Listen.
Wie digital sind Kanzleien wirklich?
Oft weniger, als sie glauben. Theiß vergleicht die Selbsteinschätzung mit Excel: Man glaubt, es zu können, und kennt einen Bruchteil. In Kanzleien heißt digital häufig nur: Die Belege kommen digital, gebucht wird vom Bildschirm statt vom Stapel. Dass Belege automatisch ausgelesen und Buchungen vorgeschlagen werden, daran führt für Theiß kein Weg vorbei.
Wo liegt der eigentliche Stress in der Buchhaltung?
Nicht im Buchen, sondern im Nachlaufen: Klienten an fehlende Belege erinnern, E-Mails schreiben, interne Zeit erklären. Theiß sieht hier den Hebel für Software: Uploads nachverfolgen, automatisch vor dem Periodenabschluss erinnern und klar kommunizieren, wann Mehraufwand entsteht.
Was bedeutet Death of the Middle für Steuerberatungskanzleien?
Ein Begriff aus Beobachtungen in Europa, den Sebastian Thalhammer einbringt: Boutique-Kanzleien mit klarer Positionierung und die Big Four mit Prüfung und Compliance teilen sich den Großteil des Marktes. Unter Druck gerät die Mitte, mit steigenden IT-Kosten und sinkenden Margen.
Wofür zahlt der Unternehmer künftig noch?
Für Mehrwert statt Erfüllung. Theiß sieht den Steuerberater in der Rolle des CFO, den sich Klein- und Mittelbetriebe nicht leisten können: Förderungen, Bankgespräche, Kredite und die Erfahrung aus vielen Mandaten. Dazu kommt ein Sicherheitsbedürfnis: Was der Steuerberater geprüft hat, hat für viele eine andere Qualität als ein reines KI-Ergebnis.
Bleibt KI für Kanzleien günstig?
Theiß erwartet steigende Softwarekosten. Die großen Modelle seien derzeit nicht profitabel, sondern investorenfinanziert. Wenn sie am Ende so viel kosten wie Menschen, wird man viel gezielter entscheiden, was man einsetzt und was nicht.
Was bedeutet phygital?
Die Verbindung von Digitalem und Physischem. Vorbereitung, Datenverarbeitung und Interpretation übernimmt die Technologie, im Gespräch mit dem Klienten zählt der Mensch. Sebastian Thalhammer sieht darin den Weg, mit dem erfolgreiche Kanzleien Vertrauen skalieren.
Was verstehen Kanzleien bei KI laut Richard Theiß falsch?
Dass ein Tool allein die Digitalisierung erledigt. „Die KI löst nicht grundsätzlich alle Probleme.“ Es braucht eine gute Datenbasis und saubere Prozesse.
Im Gespräch erwähnt
- dvo Software dvo.atUnternehmen des Gasts. Von Steuerberatern gegründet, einer der drei großen Anbieter einer kompletten Steuerberatungslösung in Österreich.
- BelegBox Cloud-Plattform der dvoIm Gespräch das Beispiel für Management by Exception und der Nukleus des schrittweisen Wegs in die Cloud.
- ViDA und E-Rechnung Elektronische RechnungsstellungMit elektronischen Rechnungen erwartet Theiß eine fehlerfreie Steuerseite in der Buchhaltung und damit weniger Haftungsthemen.
- HubSpot und die Inbound-Methodik Beispiel aus einer anderen BrancheSoftware, in die eine Haltung eingebaut ist: Wer damit arbeitet, wird automatisch Anwender der Methode.
- Fibutroniker Begriff aus DeutschlandVersuch, die neue Rolle der Buchhaltung als Orchestrierer der Datenströme zu benennen. In Österreich fehlt noch ein Wort dafür.
- Corvee und Bean Ninjas Beispiele für skaliertes VertrauenUnternehmen, die Technologie schon vor der Pandemie so einsetzten, dass mehr Raum für die Mensch-zu-Mensch-Interaktion bleibt.
- Roger Gothmann (Taxdoo) Folge erscheint am 10. November 2026Bei 1:21:00 erwähnt, im Zusammenhang mit dem Gespür in der Klientenbeziehung.
- CORE-Modell Modell des Future Tax CollectiveWertschöpfung in konzentrischen Kreisen: außen das Erfüllen, innen Antizipation, Erfahrung und Urteil.
- Future Tax Collective Future Tax Circle · OrientierungsgesprächMehrfach als Quelle für Beobachtungen aus Kanzleien und Kohorten erwähnt. Das Orientierungsgespräch mit Sebastian Thalhammer ist kostenlos und unverbindlich.
Passend zu Management by Exception aus Anbietersicht: die Folge mit Christoph Prieler.
Über den Gast
Weiterlesen und weiterhören
- Ein Buchhalter, 800 Mandanten: Was der KI-Anbieter Finmatics der Kanzlei zutraut — mit Christoph Prieler Management by Exception, zu Ende gedacht
- Was diese Kanzlei stattdessen baut — mit Jürgen Gandler Wenn dir jemand das Fundament entzieht
- Alle Beiträge zu Künstlicher Intelligenz
- Alle Folgen des Future Tax Podcast
- Future Tax Briefing Regelmäßige Impulse zur Zukunft der Steuerberatung
- Was Mitglieder über das Collective sagen
Wofür zahlt dich der Unternehmer, wenn die Zeit wegfällt?
Der Future Tax Index ordnet deine Kanzlei ein: wo sie heute steht, welche Stufe als nächste ansteht und woran es dafür fehlt. Eine ehrliche Standortbestimmung ist der erste Schritt weg vom Zeithonorar als einziger Einheit.
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