Die meisten Kanzleien stellen ihren Klienten irgendwann ein Portal hin. Und die meisten dieser Portale werden einmal im Monat notdürftig bedient. Stefan Spiegel hat im Webinar mit dem Future Tax Collective erklärt, woran das liegt, und warum die Lösung nicht in einer besseren Upload-Maske liegt, sondern in einer anderen Frage: Was hat der Klient selbst davon, dort zu arbeiten?
- Die Grundregel: Eine gemeinsame Plattform trägt nur, wenn sie für Kanzlei und Klient jeweils einen eigenen Mehrwert liefert. Ein Portal, das nur der Kanzlei dient, wird nicht getragen.
- Die Reihenfolge, die den Unterschied macht: zuerst die Klientenseite bauen, dann die Kanzleiseite. Nicht umgekehrt.
- Das Argument fürs Honorargespräch: Wer nur eine Upload-Pflicht verteilt, hört „dann muss es billiger werden". Wer ein Werkzeug gibt, kann den Plattform-Mehrwert auf den eigenen Leistungswert übertragen.
- Abgrenzung statt Alleskönner: Finanzverwaltung, Beleg- und Zahlungsmanagement, interne Kontrollsysteme. Keine Lohnverrechnung, kein Jahresabschluss, unabhängig von DATEV, BMD oder RZL im Hintergrund.
- Belegauslesung ist eine Ware. Sie kostet Bruchteile eines Cent. Wer daraus noch ein Alleinstellungsmerkmal bauen will, hat das Rennen schon verloren.
- Die freigewordene Kapazität musst du vorab verplanen, sonst füllt sie sich von selbst mit mehr Buchhaltung zu sinkenden Preisen.
- Warum die Frage jetzt auf dem Tisch liegt
- Der Denkfehler: das Portal, das nur der Kanzlei dient
- Was der Klient für sich selbst tut
- Das Argument, das das Honorargespräch dreht
- Was eine Lösung abdecken sollte, und was nicht
- Die Zahlen aus der Praxis
- Die neue Rolle des Buchhalters
- Der Kardinalsfehler mit der freien Kapazität
- Die Reihenfolge, die zählt
- Häufige Fragen
Warum diese Frage jetzt auf dem Tisch liegt
Seit 2021 führen wir im Future Tax Collective Inhaberrunden mit Kanzleien aus ganz Österreich, von der One-Woman-Show bis zu KPMG und Grant Thornton. Der Befund aus diesen Runden ist unbequem einfach: Die reine Abarbeitung und Datenverarbeitung an der Basis der Buchhaltung wird austauschbar. Nicht weil Buchhaltung verschwindet, sondern weil der Preis für Erfassen und Kontieren gegen null geht.
Stefan Spiegel bestätigt das aus der Anbieterperspektive. Belegauslesung kostet heute Bruchteile eines Cent, und deshalb entwickelt Domonda dafür bewusst kein eigenes Sprachmodell:
„Das ist eine Commodity, die man einkauft, genauso wie die Belegauslesung eine Commodity ist."
Stefan SpiegelDaraus folgt die Frage, die jede Kanzlei einmal ernsthaft durchrechnen sollte:
„Was kauft mein Klient 2030 noch, wenn der Großteil meines Kanzleiumsatzes in Buchhaltung, Lohnverrechnung und Jahresabschluss liegt und der Preis dafür gegen null gedrückt wird?"
Sebastian ThalhammerSelbst wenn das Szenario milder ausfällt als gedacht, hat man am Ende eine Strategie. Drei Dinge haben sich zusätzlich verschoben, und zwar alle in dieselbe Richtung:
Die Klienten sind längst digital
Seit Corona hat die Digitalaffinität der Unternehmer branchenübergreifend zugelegt.
Was daraus folgt: Die Erwartung an die Kanzlei steigt mit. Wer analog bleibt, wird als Rückschritt wahrgenommen, nicht als Tradition.
KI ist zum Arbeitsinstrument geworden
Heuer vom Spielzeug zum Werkzeug, in manchen Unternehmen bereits zum Mitarbeiterersatz.
Was daraus folgt: Eine aktivierte Subscription ist noch keine neue Evolutionsstufe. Der Unterschied entsteht im Prozess, nicht im Lizenzschlüssel.
DATEV zieht sich aus Österreich zurück
Der Rückzug im Mai 2026 stellt geschätzt 100 bis 300 Kanzleien direkt vor die Systemfrage.
Was daraus folgt: Zwei bis drei Jahre Übergangszeit klingen komfortabel. Im Kanzleialltag sind sie es nicht, weil niemand Zeit hat, sich das in Ruhe anzuschauen.
Ein Blick nach Skandinavien, Finnland oder Belgien zeigt, wo reine Compliance-Dienstleister landen: Margendruck steigt, Klientenerwartung steigt, IT-Kosten steigen. Weniger Geld für mehr Aufwand. Genau in dieser Schere sitzen die Kanzleien, denen die Zeit fehlt, größere Schritte zu machen, weil sie im Tagesgeschäft eingespannt sind.
Und dabei bleiben die Basisprobleme trotz aller Technologie dieselben: Belegen nachlaufen, Rückfragen per E-Mail, Schnittstellenbrüche. In Kanzlei-Workshops hören wir immer denselben Satz von Mitarbeitern: Ich muss den Leuten ständig nachrennen, und das bringt mich in eine Bittstellerposition, in der ich nicht sein will.
Der Denkfehler: das Portal, das nur der Kanzlei dient
Hier setzt Stefans zentraler Punkt an. Er ist Steuerberater und Inhaber von Libraconsult Steuerberatung GmbH und gleichzeitig Co-Founder von Domonda, sieht das Thema also von beiden Seiten. Sein Satz:
„Wenn ein Portal da ist, das dem Steuerberater etwas bringt, der Klient damit aber nichts anfangen kann, dann loggt der sich einmal im Monat ein, um seine Pflicht zu erfüllen. So kommt man nie zu einer echten Plattform-Kooperation."
Stefan SpiegelEinbahn
Der Nutzen liegt nur am Ende der Kette. Der Klient trägt Aufwand und bekommt dafür nichts in die Hand. Also bedient er das Portal genau so weit, wie er muss.
Gemeinsame Fläche
Beide Seiten haben einen eigenen Grund, die Fläche zu öffnen. Die Daten für die Buchhaltung fallen als Nebenprodukt an der richtigen Stelle an.
Derselbe Datenfluss, zwei Logiken. Links entsteht eine Pflicht, rechts ein Werkzeug.
Deshalb lag der Entwicklungsfokus bei Domonda in den ersten Jahren bewusst auf dem Unternehmen, nicht auf der Kanzlei. Die Funktionen auf der Klientenseite sind entsprechend ausgereift und aus echten Kundenwünschen entstanden. Stefans Rolle im Produkt ist es, die Steuerberaterseite so mitzugestalten, dass die Ergebnisse in der Kanzlei auch verwendbar sind.
Das ist mehr als eine Priorisierungsfrage, es ist die Umkehrung der üblichen Logik. Die übliche Logik lautet: Ich brauche die Daten, also baue ich einen Kanal, durch den der Klient sie mir schickt. Die Plattform-Logik lautet: Ich gebe dem Klienten ein Werkzeug, mit dem er seinen eigenen Betrieb besser im Griff hat, und die Daten fallen als Nebenprodukt an der richtigen Stelle an.
Was der Klient auf der Plattform für sich selbst tut
Der Test für jede Klientenschnittstelle ist einfach: Gibt es einen Grund, sie auch dann zu öffnen, wenn die Kanzlei nichts angefordert hat? Bei den folgenden sechs Punkten gibt es ihn.
Belege an einer Stelle einwerfen
- Für den Klienten
- Rechnungen flattern nicht mehr im Unternehmen herum, alles landet an einer Stelle. Per Upload, per E-Mail oder automatisch über GetMyInvoices.
- In der Kanzlei
- Kein Zusammensammeln mehr, kein Nachfordern am Jahresende.
Die eigene Bank selbst verbinden
- Für den Klienten
- Volle Kontrolle mit dem eigenen Verfüger, kein Warten auf Freischaltungen. Transaktionen kommen bis zu ein Jahr rückwirkend herein, alte Jahre lassen sich aufarbeiten.
- In der Kanzlei
- Keine Bankzugänge und Verfüger-Listen mehr zu verwalten.
Zahlungen den Rechnungen zuordnen
- Für den Klienten
- Eine tagesaktuelle OP-Liste, größtenteils automatisch, ohne auf die Kanzlei zu warten und ohne eigene Excel-Liste daneben.
- In der Kanzlei
- Die Zuordnung ist bereits gemacht, statt am Monatsende rekonstruiert zu werden.
Laufend sehen, was offen ist
- Für den Klienten
- Unverknüpfte Transaktionen, fehlende Informationen, fehlende Belege. Er weiß jederzeit, wo er steht, statt es zu erfahren.
- In der Kanzlei
- Die Lücken schließen sich während des Monats, nicht danach.
Rückfragen am Beleg beantworten
- Für den Klienten
- Kommentare direkt am Dokument, in beide Richtungen. Der Kontext bleibt beim Beleg, nichts geht im Postfach verloren.
- In der Kanzlei
- Das E-Mail-Pingpong fällt für diesen Teil weg.
Digitale Freigabe-Workflows
- Für den Klienten
- Statt der Unterschriftenmappe, die im Unternehmen herumkreist und nach Monaten wieder auftaucht: nachvollziehbar, wer was freigegeben hat.
- In der Kanzlei
- Belastbare Nachweise, die auch bei Betriebs- und Wirtschaftsprüfungen tragen.
Viele Unternehmer führen heute Excel-Listen oder arbeiten mit einem Stapel offener und einem Stapel bezahlter Rechnungen. Genau diese händische Arbeit ist der Anknüpfungspunkt. Die Frage lautet also nicht „welches Portal nehme ich", sondern: Welche Liste führt mein Klient heute händisch, und könnte er sie stattdessen in meiner Umgebung führen?
Das Argument, das das Honorargespräch dreht
Dieser Teil ist der wirtschaftlich interessanteste, und er wird in der Digitalisierungsdiskussion meist übersehen. Jede Kanzlei, die Arbeit an den Klienten zurückgibt, kennt die Reaktion:
„Wenn ein Klient nur auf ein System hochlädt, das ihm persönlich nichts bringt, kommt immer das Argument: na gut, wenn ich jetzt alles hochlade, dann muss es ja billiger sein."
Stefan SpiegelUnd genau hier kippt es, wenn die Plattform dem Klienten selbst etwas bringt. Dann ist die Rechnung nicht mehr „ich arbeite, du kassierst", sondern „ich bekomme ein Werkzeug, das mein Unternehmen besser steuerbar macht, und du arbeitest auf derselben Basis". Stefans Erfahrung: Dieser Mehrwert lässt sich auf die eigene Leistung übertragen, und das Argument funktioniert bei ihm bisher jedes Mal.
Wenn du also gerade eine Nachlassdiskussion führst, weil du digitalisiert hast: Das ist kein Preisproblem. Das ist ein Nutzenproblem auf der Klientenseite.
Was so eine Lösung abdecken sollte, und was bewusst nicht
Domonda ist keine All-in-One-Suite, und das ist Absicht. Das entspricht genau dem, was in unseren Runden immer wieder auf dem Tisch liegt: Es wird nicht die eine Lösung für alles geben, sondern Teile, die miteinander sprechen müssen.
Der klare Kern
Finanzverwaltung, Beleg- und Zahlungsmanagement, interne Kontrollsysteme.
Die gezogene Grenze
Lohnverrechnung und Jahresabschluss. Abgrenzung ist hier ein Qualitätsmerkmal und keine Lücke.
Der Rest ist Offenheit nach außen, und das ist die Eigenschaft, auf die du bei jeder Systementscheidung schauen solltest:
Unabhängig vom Hintergrund
Ob DATEV, BMD oder RZL läuft, ist für die Plattform egal. Und für den Klienten ohnehin: den interessiert nicht, welches Kernsystem du fährst, sondern wie es gerade in seiner Firma aussieht.
BMD-Anbindung
Zum Zeitpunkt des Webinars in der letzten Testphase, gemeinsam mit Stefans Kanzlei aufgebaut. Kein klassisches API, sondern asynchroner Datenaustausch in beide Richtungen über Vorerfassung und Bankauszugsbuchung. Andere Kanzleien können das mit entsprechender Einrichtung ebenfalls nutzen.
Offene API und MCP-Server
Klienten können eigene Auswertungen bauen und eigene KI-Agenten direkt an ihre Daten anbinden, ohne dass die Kanzlei dafür Zugriff auf ihr Kernsystem öffnen muss. Das entschärft die typische Sorge, dass jemand in der Kanzleidatenbank unterwegs ist.
Eingekauft, nicht gebaut
Kein eigenes Sprachmodell, kein eigenes Prompt Engineering, sondern Anbindung an den jeweils aktuellen Marktführer mit der Möglichkeit zu wechseln. Bei diesem Tempo kommt ein europäisches Unternehmen nicht nach, und muss es auch nicht.
Tink, mit Alternative
Tink ist mittlerweile von Visa übernommen, FinAPI ist ein vergleichbarer Anbieter am Markt. Die Anbieter werden regelmäßig gegeneinander geprüft: welche Banken, welche Länder, wo gibt es Störungen.
Automatisch aus der Historie
Die Kodierung läuft weitgehend automatisch auf Basis der Historie. Der nächste Entwicklungsschritt geht in Richtung analytisches Verstehen des Belegtexts.
Zwei Funktionen sind auf Zuruf aus der Praxis entstanden und zeigen, wie nah so etwas am Kanzleialltag gebaut werden kann: ein Sammel-Export für die Buchhaltung, der Belege und Bank in einem Schritt ausgibt statt in zwei Durchläufen, und eine kanzleiweite Übersicht über alle Klienten mit dem, was jeweils zu tun ist.
Eine Einordnung zu diesen und weiteren Werkzeugen findest du im Tax Tech Radar.
Die Zahlen aus der Praxis
Das Interessante an diesem Gespräch war nicht die Produktdemo, sondern was Stefan aus zwei Kanzleiübernahmen mitgebracht hat.
Zwei Kanzleiübernahmen, eine ab Tag eins umgestellt, eine am Land in Niederösterreich. Kein Absprung, der auf die Umstellung zurückzuführen war.
Mitnehmen: Das „da geht mein Klient nicht mit" ist meist eine Annahme, keine Erfahrung. Es braucht eine Roadmap, keine Ansage.
Teilweise freuen sie sich, weil sie längst digital arbeiten und bisher nur für die Kanzlei ausgedruckt oder in einen Ordner gelegt haben.
Mitnehmen: Wer die Belegschachtel bringen will, bringt sie. Das klärt man im Erstgespräch, nicht bei der Umstellung.
Rund drei Monate bis zum gewohnten Tempo. Zuerst fällt die Mappe zum Angreifen weg, die Buchhaltung wird kurzzeitig langsamer. Eine übernommene Kollegin mit 50 arbeitet inzwischen täglich damit.
Mitnehmen: Die Delle einplanen, nicht als Scheitern lesen. Was hilft: eine Oberfläche, die dem vertrauten Buchhaltungssystem ähnelt, plus Ansprechbarkeit bei Fragen.
Von rund einer halben Stunde im Monat beim kleinen Einnahmen-Ausgaben-Rechner bis zu 3 bis 5 Stunden im Monat, bei größeren Klienten teils pro Woche.
Mitnehmen: Der größte Hebel ist nicht die Erfassung, sondern dass nichts mehr zusammengesammelt werden muss.
Kanzleiweit einsetzbar, vom Einnahmen-Ausgaben-Rechner bis zum Unternehmen mit 50 bis 60 Mitarbeitern und 10 bis 20 Zugängen für Freigaben.
Mitnehmen: Am stärksten wirkt es dort, wo im Unternehmen schon Prozesse existieren: Assistenz sammelt, Fachabteilung gibt frei, zentrale Stelle zahlt.
Darunter international tätige Firmengruppen mit mehreren verbundenen Firmen.
Mitnehmen: Viele davon sind direkte KMU-Kunden mit ihrem Steuerberater dahinter. Die Nachfrage kommt also nicht nur aus den Kanzleien.
Die Umstellung im Team, zeitlich aufgelöst
- Tag 1
Die Mappe fällt weg
Umgestellt wird ab dem ersten Tag, nicht in Etappen. Zuerst fehlt der Griff zum Angreifen: der Stapel, den man in der Hand hatte.
- Die Wochen danach
Die Delle
Die Buchhaltung wird kurzzeitig langsamer, weil sich die Abläufe neu einspielen. Was hilft: eine Oberfläche, die dem vertrauten Buchhaltungssystem ähnelt, plus jemand, der bei Fragen erreichbar ist.
- Nach rund 3 Monaten
Tempo zurück
Das gewohnte Tempo ist wieder erreicht. Eine übernommene Kollegin mit 50 arbeitet inzwischen täglich damit.
Was du wirtschaftlich davon hast, kannst du im ROI-Rechner gegenrechnen.
Wo steht deine Kanzlei zwischen Abarbeiten und Begleiten?
Der Future Tax Index gibt dir in wenigen Minuten eine Einordnung entlang von fünf Dimensionen, inklusive der Frage, wo dein Engpass sitzt.
Die neue Rolle des Buchhalters
Wenn Auslesen und Kontieren zur Ware werden, braucht die Person, die das bisher gemacht hat, eine neue Rolle. Bei Stefan ist der Buchhalter heute die erste Kontrollinstanz über weitgehend vorbereitete Daten, nicht mehr der Erfasser. Das ist nicht nur eine Effizienzfrage, sondern eine Frage des Wertigkeitsgefühls im Team.
Damit entsteht Zeit für die eigentlich wertvolle Frage: Fällt bei diesem Klienten etwas auf? Geht es dem Unternehmen gut oder nicht? Nicht Tag für Tag, aber Monat für Monat. Aus dem Reaktiven wird ein Sparringspartner, der sich meldet, bevor der Klient etwas entschieden hat.
Und noch etwas: Die meisten Buchhalter wollen heute mehr machen, als ihren Klienten wegen Belegen nachzulaufen. Es fehlt meist nicht die Bereitschaft, sondern der Rahmen.
Der Kardinalsfehler: was mit der freigewordenen Zeit passiert
Hier liegt der Fehler, den wir in der Praxis am häufigsten sehen. Es wird digitalisiert, Kapazität wird frei, und dann wird sie mit mehr Buchhaltungsvolumen aufgefüllt. Das ist der Wettlauf nach unten: mehr Menge zu sinkenden Preisen, in einem Segment, das gerade zur Ware wird.
Die Alternative ist der Schritt in Richtung Einordnen, Interpretieren und Vorausschauen, für die Klienten, die dafür Geld in die Hand nehmen. Nicht für alle. Aber für genug.
Stefan hat den Realitätscheck dazugestellt, und der ist wichtig:
„Man kann das Abarbeiten und Einordnen nicht überspringen. Viele wollen unbedingt die Beraterrolle übernehmen, aber die darunterliegenden Prozesse laufen noch nicht so, dass sie überhaupt liefern könnten, was für die Beratung nötig ist."
Stefan SpiegelDer Vergleich aus der Kanzleiwelt: Es ist der Unternehmer, der sagt, er will keine Buchhaltung und keine Lohnverrechnung, sondern einfach nur die Bilanz. Man wird ihm erklären, dass dazwischen ein paar Dinge liegen. Genauso ist es hier.
Und es ist ein Skalierungsproblem. Für zwei oder drei Klienten bekommt man alles rund. Die meisten Kanzleien haben mehr, und dann gerät die Maschine in Unwucht. Was dann zählt, sind klare Standards und eine klare Richtung, mit welcher Lösung auch immer.
Die Reihenfolge, die zählt
Am Ende steht die Regel, die über allem liegt und die den DATEV-Rückzug für manche Kanzleien so teuer macht:
„Wohin sehe ich als Unternehmer die Reise gehen, wohin möchte ich meine Kanzlei entwickeln, welche Klienten will ich bedienen, welche Menschen will ich in der Organisation haben? Und dann stellt sich die Frage nach den Werkzeugen. Nie umgekehrt."
Sebastian ThalhammerWer es umgekehrt macht, richtet seine Anforderungen am Tool aus und wundert sich später, warum es nicht passt. Oder hüpft von einer Lösung zur nächsten.
Daraus folgt auch ein bewusster Tool-Agnostizismus: nicht in einen monolithischen Anbieter einsperren, sondern austauschbare Bausteine nutzen, die sich untereinander verbinden lassen. Vor zwei Jahren war ChatGPT der Maßstab, heute sieht das anders aus, und in zwei Jahren wieder. Wer alles so aufgebaut hat, dass er nicht wechseln kann, bekommt irgendwann ein Problem.
Was du mitnimmst
- Warum ein Klientenportal, das nur der Kanzlei dient, strukturell nicht getragen wird
- Der eine Test für jede Klientenschnittstelle: Welche Liste führt dein Klient heute händisch?
- Wie du auf „dann muss es billiger sein" antwortest, ohne über den Preis zu verhandeln
- Was zwei Kanzleiübernahmen über Klientenakzeptanz verraten, auch am Land
- Wie lange die Umstellung bei übernommenen Mitarbeitern realistisch dauert und wie du die Delle einplanst
- Wo die Zeitersparnis tatsächlich entsteht, und warum es nicht die Belegerfassung ist
- Warum Abgrenzung bei einer Lösung ein Qualitätsmerkmal ist und nicht eine Lücke
- Was offene API und ein eigener MCP-Server für Klienten mit KI-Agenten bedeuten
- Warum du die freigewordene Kapazität vorab verplanen musst, sonst füllt sie sich von selbst
- Die Reihenfolge, in der Systementscheidungen getroffen werden müssen
Häufige Fragen zur Plattform-Kanzlei
Was ist eine Plattform-Kanzlei?
Eine Kanzlei, die ihren Klienten keine reine Upload-Strecke hinstellt, sondern eine gemeinsame Arbeitsfläche, auf der beide Seiten arbeiten. Entscheidend ist, dass die Plattform für Kanzlei und Klient jeweils einen eigenen Nutzen hat. Die Daten für die Buchhaltung fallen dann als Nebenprodukt an der richtigen Stelle an.
Warum nutzen Klienten Kanzleiportale so selten?
Weil die meisten Portale nur die Anforderungen der Kanzlei abbilden. Wenn der Klient keinen eigenen Nutzen hat, loggt er sich einmal im Monat ein, um seine Pflicht zu erfüllen. Damit entsteht keine Zusammenarbeit, sondern nur ein zusätzlicher Kanal.
Wie reagiere ich, wenn der Klient sagt „wenn ich alles selbst hochlade, muss es billiger werden"?
Dieser Satz kommt zwangsläufig, wenn die Plattform dem Klienten nichts bringt. Bringt sie ihm etwas, etwa eine tagesaktuelle Liste offener Posten und eine Bankverbindung, die er selbst kontrolliert, dann lässt sich der Mehrwert auf die eigene Leistung übertragen. Es ist kein Preisproblem, sondern ein Nutzenproblem auf der Klientenseite.
Machen ältere Klienten eine Umstellung mit?
Häufiger als angenommen. Viele arbeiten längst digital und haben bisher nur für die Kanzlei ausgedruckt oder Dateien in einen Ordner gelegt. Wer seine Belegschachtel bringen will, bringt sie weiter. Das klärt man am besten im Erstgespräch, nicht mitten in der Umstellung.
Wie lange dauert die Umstellung bei Mitarbeitern?
Rund drei Monate, bis das gewohnte Tempo wieder erreicht ist. In dieser Zeit wird die Buchhaltung kurzfristig langsamer, weil sich Abläufe neu einspielen. Das gehört eingeplant. Was hilft, ist eine Oberfläche, die dem vertrauten Buchhaltungssystem ähnelt, plus jemand, der bei Fragen erreichbar ist.
Wie viel Zeit spart eine gemeinsame Plattform konkret?
Von rund einer halben Stunde im Monat bei einem kleinen Einnahmen-Ausgaben-Rechner bis zu 3 bis 5 Stunden im Monat bei größeren Klienten, teilweise pro Woche. Der größte Hebel ist nicht die Erfassung selbst, sondern dass verstreute Belege nicht mehr zusammengesammelt werden müssen.
Muss ich mein Kanzleisystem wechseln?
Nein. Eine Plattform dieser Art setzt sich zwischen Klient und Kanzlei und funktioniert unabhängig davon, ob DATEV, BMD oder RZL im Hintergrund läuft. Für den Klienten ist das Kernsystem ohnehin irrelevant, ihn interessiert der Stand seines eigenen Betriebs.
Was bedeutet der DATEV-Rückzug aus Österreich für meine Kanzlei?
Geschätzt 100 bis 300 Kanzleien stehen dadurch direkt vor einer Systementscheidung. Zwei bis drei Jahre Übergangszeit klingen komfortabel, reichen im Kanzleialltag aber kaum für eine saubere Entscheidung. Die Lehre daraus: austauschbare Bausteine statt monolithischer Bindung.
Sollte ich zuerst das Tool oder zuerst die Strategie klären?
Immer zuerst die Strategie. Wohin soll die Kanzlei, mit welchen Klienten, mit welchen Menschen. Erst danach die Werkzeugfrage. Wer umgekehrt vorgeht, richtet seine Anforderungen am Tool aus und wundert sich später, warum es nicht passt.
Kann ich die freigewordene Kapazität einfach mit mehr Buchhaltung füllen?
Kann man, ist aber der Wettlauf nach unten: mehr Menge zu sinkenden Preisen in einem Segment, das gerade zur Ware wird. Sinnvoller ist, die Kapazität vorab für eine Leistung zu verplanen, die Einordnung und Vorausschau liefert. Nur überspringen lässt sich das Abarbeiten nicht: ohne saubere Basisprozesse fehlt die Datenlage für belastbare Beratung.
Im Webinar erwähnt
- Domonda domonda.comPlattform für Finanzverwaltung, Beleg- und Zahlungsmanagement
- Libraconsult Steuerberatung GmbH libraconsult.atStefan Spiegels Steuerberatungskanzlei
- GetMyInvoices getmyinvoices.comAutomatisierte Belegsammlung
- Tink tink.comBank-Aggregator, von Visa übernommen
- FinAPIVergleichbarer Anbieter für Bankschnittstellen
- BMD, DATEV, RZLKanzleisysteme, unabhängig davon einsetzbar
Eine laufend gepflegte Einordnung findest du im Tax Tech Radar.
Über Stefan Spiegel
Wenn dich das Thema weiterträgt
- Alle Beiträge zum Thema Belegverarbeitung
- Beiträge zur Kanzleientwicklung
- Tax Tech Radar — Einordnung der Werkzeuge für österreichische Kanzleien
- Alle Folgen des Future Tax Podcast
- Future Tax Briefing — regelmäßige Impulse zur Zukunft der Steuerberatung
- Was Mitglieder über das Collective sagen
Konkret zu Domonda
Wenn du sehen willst, wie eine gemeinsame Klientenplattform in deiner Kanzlei aussehen könnte, buche ein Gespräch mit Stefan. Geht es dir darum, Partnerkanzlei zu werden, führt die Seite für Steuerberater direkt dorthin.
Zuerst der eigene Standort
Der Future Tax Index zeigt dir in wenigen Minuten, wie zukunftsfähig deine Kanzlei aufgestellt ist und welcher Schritt bei dir als nächster dran ist.
Sessions wie diese führen wir regelmäßig mit Kanzleiinhabern. Die vollständigen Aufzeichnungen bleiben Mitgliedern vorbehalten: Future Tax Circle · Future Tax Lab · Future Tax Briefing